Jaguar F Type Cabriolet

Jaguar F-Type Cabriolet SVR im Test: Ein Fahrbericht

© Jaguar

Dieser Jaguar ist ein Spielzeug. Ein lautes und schnelles Spielzeug für große Kinder mit Lust auf Sonnenschein, V8-Gebrüll und einen recht auffälligem Spoiler auf dem Heck. Wir haben das stärkste Jaguar F-Type Cabriolet ausprobiert  und die Haltbarkeit unserer Frisur getestet.

Kann man mit diesem Jaguar auf Reisen gehen? Ja, man kann. Allerdings ohne das große Gepäck, als Alternative sollte eine Kreditkarte im Handschuhfach liegen. 207 Liter für Koffer, Taschen und Einkaufsbehältnisse sind nicht wirklich üppig. Deshalb unser erster Rat: Lassen Sie die Reiseeinkäufe ins Hotel und dann nach Hause liefern. Hinter den Sitzen sollten warme Pullis, Schals und zwei Jacken liegen. Weshalb warme Sachen? Ganz einfach. Der F-Type will auch im Herbst oder Winter offen gefahren werden. Der Musik aus den vier Endrohren wegen.

Jaguar F Type Cabriolet

© Ralf Bernert

Jaguar F-Type Cabriolet: 575 PS

Ein paar Stunden in der Eifel. Rund um den Nürburgring, das Angebot an Kurven ist verführerisch und der F-Type liebt Kurven. Das liegt natürlich an seinem hungrigen V8, dessen Hauptaufgabe die möglichst spektakuläre Verbindung von Gerade und Kurve ist. Man steigt ein, startet den Motor per  Druck mittels Zeigefinger auf den runden Knopf und der 5-Liter V8 erklärt mit erhobener Stimme seine Dienstbereitschaft. 575 PS warten auf den Gasfuß, der Schalthebel wird nach hinten gedrückt, das 8-Gang-Getriebe schaltet auf vorwärts und die Reise geht los.

Jaguar F-Type Cabriolet SVR: Ein echter Klassiker

Man sieht zunächst eine sehr lange Nase. Der F-Type ist, egal in welcher Variante, ein Klassiker. Das Design folgt der Tradition britischer Roadster, vor allem der des legendären Jaguar E-Type. Also lange Front, dahinter zwei Sitze und noch weiter hinten, ein kurzes, knackiges Heck. Wenn das besonders gut gelungen ist, sprechen Fans von Erotik auf Rädern. Der F-Type macht da keine Ausnahme. Nur der Heckflügel stört ein wenig die Romantik, er dient der Traktion, nicht der Ästhetik.

Jaguar F Type Cabriolet

© Jaguar

Das Interieur

Im Innenraum findet man sich schnell zurecht. Auf der Fahrerseite interessiert vor allem die Sicht durch das Dreispeichen-Lenkrad. Zwei große Uhren zeigen Geschwindigkeit und Drehzahl, dazwischen werden Tankinhalt, Außentemperatur, Uhrzeit und Kühlwassertemperatur angezeigt. Auf dem Lenkrad dürfen das Telefon, die digitale Anzeige, Lautstärke der exzellenten Audio-Anlage oder die Fahrmodi eingestellt werden. Und dann ist da noch die gigantische Mittelkonsole. Ganz oben sitzt der große Monitor für Navi, Fahrzeugeinstellungen und die HiFi-Anlage. Darunter drei große Drehschalter mit Digitalanzeige für bestes Klima. Weiter unten dann noch die wichtigen Schalter für die richtige Fahrwerkseinstellung. Damit der F-Type SVR so richtig Dampf auf die Straße bringt. Ganz wichtig: der kleine Schalter zur Steuerung des Klappenauspuffs. Der Jaguar schreit nur dann, wenn die Nachbarschaft aus dem akustischen Radius ist.

Es darf gecruist werden. Das Dach verschwindet unter einer Klappe hinter den Kopfstützen. Die 575 Pferdestärken des stärksten je gebauten Serien-Jaguar halten sich deutlich zurück. Der Jaguar F-Type Cabriolet schlendert mit seinen fast 4.5 Metern durch die Landschaft, der Allradantrieb fesselt den 1,7 Tonnen schweren Zweisitzer sauber und stabil auf dem Asphalt, der Brite läßt sich sehr einfach und  trotz seiner recht harten Federung ziemlich kommod durch die Gegend chauffieren. Wer will, kann auf diese Weise seine komplette Reise bestreiten.

Jaguar F Type Cabriolet

© Jaguar

Jaguar F-Type Cabriolet: 3,7 Sekunden

Wer allerdings lieber die Landschaft im Sturm erobert, schaltet die Klappen des Auspuffs auf Attacke, die vier Endrohre verwandeln sich in Fanfaren. Das Fahrwerk wird deutlich härter, die Lenkung straffer und der V8 holt aus den Tiefen seines 5-Liter-Raumes tief Luft. Dann strebt dieser Jaguar wie ein ehrgeiziger Sprinter wirklich nachhaltig nach vorn, die beiden Passagiere werden in die Sitze gedrückt und die Windschutzscheine spielt einen Film in doppelter Geschwindigkeit ab. 3,7 Sekunden reichen bis die digitale Nadel auf der 100 steht und wer darf, schafft 314 km/h, was bei geöffnetem Dach nicht wirklich angenehm ist. Der 70-Liter tank leert sich dann in Windeseile und die Besatzung wird dann erahnen können, wie es sich in einem ausgewachsenen Orkan anfühlt.

Ein Fazit: Der Jaguar F-Type SVR Cabriolet ist ein Sommer-Kind mit besten Manieren, modernster Technik und dem Talent zur sehr, sehr schnellen Fortbewegung. Dass der Zweisitzer aus England gerne mal seine Kräfte akustisch und optisch zur Schau stellt, sieht man ihm gerne nach. Auch weil er in gezügeltem Tempo sehr lässig durch die Landschaft traben kann. Seine Power mag offensichtlich sein, seine Herkunft aber auch. Das Design ist seine große Stärke. Ein Klassiker im modernen Gewand plus reichlich Technik und sehr gute Qualität in der Verarbeitung. Der SVR ist all denen zu empfehlen, die Landstraßen mit vielen Kurven lieben.

 


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