Flugmythen iim Check

Flugmythen im Check: Stimmt’s oder stimmt’s nicht?

© Adrian vom Baur

Sind Sie abergläubisch? Wenn Sie dies getrost mit Nein beantworten, werden Sie Ihre Antwort an Bord eines Flugzeugs vielleicht noch einmal überdenken. Schließlich wird es einen Grund dafür geben, warum es in den meisten Maschinen keine 13. Sitzreihe gibt. Manche Flugzeugmythen halten sich hartnäckig. Stimmt’s oder stimmt’s nicht? Wir klären auf.

Flugmythen #1: Aktivierte Handys an Bord

Das Flugpersonal kann es gar nicht oft genug betonen: Alle elektronische Geräte müssen zur Start- und Landung ausgestellt sein … Insbesondere aktivierte Handys stören angeblich die Bordelektronik wie Navigationsgeräte im Cockpit, wodurch ein Flugzeug im schlimmsten Falle abstürzen kann. Das ist Kokolores. Nicht die Technik an Bord kann gestört werden, sondern die am Boden. Die Bundesluftfahrtbehörde befürchtet Signalverluste oder -störungen, wenn ein Flugzeug beispielsweise einen Funkturm überfliegt. Das ausgeschaltete Handy an Bord kann man aber auch als eine Erziehungsmaßnahme für Passagiere verstehen, die nicht durch SMS und andere Nachrichten von wichtigen Borddurchsagen abgelenkt werden sollen.

Flugmythen #2: Sog durch beschädigte Kabinenfenster

Eine gruselige Vorstellung: Hoch über den Wolken wird eines der kleinen runden Fenster herausgesprengt und die Passagiere werden nacheinander aus der weiterfliegenden Maschine gesogen. Gleich vorweg: Das gibt es nur in Hollywood. Wahr ist, ein Loch in der äußeren Flugzeugwand führt zu enormem Druckabfall. In der Maschine herrscht ein Luftdruck vergleichbar mit dem auf der Erde, der Luftdruck außerhalb des Flugzeugs in etwa zehntausend Metern Höhe ist deutlich niedriger. Bei einem Loch strömt sofort Luft von innen nach außen, dadurch entsteht tatsächlich ein Sog. Dessen Wirkung ist allerdings nie so stark, dass sie einen Menschen durch ein kleines Fenster pressen könnte. Anders sieht es allerdings im Cockpit aus. Im Jahr 1990 wäre beinahe ein Pilot aus einem herausgefallenen Cockpit-Fenster gestürzt. Der Kopilot verhinderte Schlimmeres, indem er ihn mit aller Kraft an den Beinen festhielt. Beide kamen mit nur leichten Verletzungen innerhalb der Maschine wieder am Boden an.

Flugmythen #3: Die 13. Sitzreihe

Da sind wir Menschen zwar in der Lage, an einem Tage drei Kontinente zu überfliegen, dem Aberglauben sind wir im 21. Jahrhundert dennoch weiterhin verfallen. Nicht ohne Grund gibt es bei verschiedenen Airlines wie zum Beispiel der Lufthansa keine 13. Sitzreihe. Und weil Italien und auch Brasilien fest daran glauben, dass die 17 ein Unglücksbringer ist, verzichten viele Fluggesellschaften auch auf diese Sitzreihe. Da helfen auch keine Auswertungen, die statistisch belegen, dass an einem Freitag, dem 13., genau so wenige oder auch genauso viele Unfälle wie an jedem anderen Tag passieren. An dieser Stelle muss die Logik dem Volksglauben Platz machen. Und danach folgt auf 12 nun mal die 14.

Flugmythen #4: Klimaanlagen an Bord verbreiten Keime

Besonders ältere Menschen sind nicht von der Idee abzubringen, dass Flugzeugluft der Gesundheit schadet. Doch da ist nichts dran! Die Umluft in der Maschine fühlt sich zwar trocken an, verbreitet jedoch keine Bakterien. Wie OP-Räume in einem Krankenhaus sind auch sämtliche Flugzeuge mit einem sogenannten HEPA-System, einem Schwebstofffilter, ausgestattet. Frische und wiederverwendete Luft wird dabei vermischt und gefiltert. Bakterien und Luftkeime sterben ab. Ihre Gesundheit schützen Sie an Bord, indem Sie viel trinken, sich einen Schal um den Hals legen, falls Ihnen mal kühl wird, und Ihrem Sitznachbar nicht allzu nah kommen. Denn vor Tröpfcheninfektionen ist man auch hoch in den Lüften leider nicht geschützt.

Flugmythen #5: Tomatensaft schmeckt über den Wolken besser

Da muss doch was dran sein, schließlich landet der Tomatensaft so gut wie nie in der Supermarkttüte, im Flugzeug allerdings haben viele Passagiere danach Durst. Tatsächlich wird an Bord überdurchschnittlich viel Tomatensaft verzehrt. Grund dafür ist der Niederdruck der Flugzeugkabine, der macht aus dem sonst beinahe schon muffig schmeckenden Tomatensaft ein fruchtig, süß kühlendes Geschmackserlebnis. Bei dem niedrigen Luftdruck steigt unsere Geruchs- und Geschmacksschwelle. Alles muss ein wenig intensiver schmecken – so, als hätte man einen leichten Schnupfen. Der Grund, weswegen wir Tomatensaft an Bord auch noch mit Salz und Pfeffer nachwürzen.

Flugmythen #6: Während des Flugs werden die Toiletten entleert

Unrat, der vom Himmel fällt? Gibt’s – allerdings handelt es sich dabei ausschließlich um die Ausscheidungen von Vögeln. Aber wenn nicht in der Luft, wo landet das Zeug aus der Bordtoilette dann? Erst einmal werden alle Exkremente samt Klopapier mit der lauten Spülung in Tanks befördert. Nur in Ausnahmen kann es dazu kommen, dass aufgrund von porösen Dichtungen die Tankinhalte nach außen geraten. Dort frieren sie wegen der Außentemperatur allerdings sofort am Rumpf des Flugzeugs in Form blauer Eisklumpen fest (dank des gefärbten Desinfektionsmittels). Beim Landen löst sich das sogenannte „Blue Ice“ dann meistens. Die Tanks selbst wiederum werden immer erst am Boden entleert und niemals in luftiger Höhe.

Flugmythen #7: Kabinentüren während des Flugs öffnen

Eine Flugzeugtür während das Flugs zu öffnen – dazu benötigt man Kraft. Sehr viel Kraft! Die Irrsinnigen, die das tatsächlich mal versucht haben, sind gnadenlos daran gescheitert, nicht nur, weil sie von den Flugbegleitern zu Boden gezwungen wurden. Also, kein Grund zur Sorge. Alle Passagierflugzeuge sind mit sogenannten Plug Doors, also luftdicht verriegelten Türen ausgestattet. Wer so etwas öffnen kann, besitzt schlicht übermenschliche Kräfte.

Flugmythen #8: Die hinteren Sitzplätze sind sicherer

Nicht jeder Platz im Flugzeug ist im Falle einer Bruchlandung gleich sicher. Die größten Überlebenschancen lassen sich allerdings nicht anhand der Sitzreihen voraussagen. Lediglich: Je näher der Passagier am Notausgang sitzt, desto besser. Denn muss ein Flugzeug evakuiert werden, zählt jede Sekunde. Auch der Platz am Gang kann dann gegenüber dem Fensterplatz von Vorteil sein. Viel wichtiger als der Sitzort ist jedoch das persönliche Verhalten in einer Notsituation. Beherrschen Sie die unendlich oft gehörten, aber wichtigen Vorsichtsmaßnahmen an Board wirklich oder würden Sie sofort Orientierung verlieren? Wenn Sie dies befürchten, dann hören Sie beim nächsten Mal genauestens zu.

Flugmythen #9: Übergewichtige Menschen müssen zwei Plätze buchen

Es klingt zunächst vielleicht diskriminierend, aber tatsächlich geht es bei der Doppelbuchung von Übergewichtigen in erster Linie um Sicherheit. Alle Passagiere müssen in der Lage sein, bei gesenkter Armlehne und mit geschlossenem Sicherheitsgut in aufrechter Position zu sitzen, ohne dabei ihre Sitznachbarn zu beeinträchtigen. Deshalb bleibt extrem korpulenten Passagieren oft nichts Anderes übrig, als zwei Sitze oder eine höhere Kabinenklasse zu buchen, in der die Plätze von vornherein breiter konstruiert sind.

Flugmythen #10: Jeder zehnte Passagier hat Sex in der Flugzeugkabine

Klingt irgendwie absurd hoch, oder? Kommt aber laut einer Umfrage von swoodoo.com tatsächlich hin. Zehn Prozent der Befragten hatten schon einmal oder mehrmals Sex in einer Flugzeugtoilette und würden dafür den Stress, den man da oben doch irgendwie hat, gern wieder in Kauf nehmen. Das Risiko ist nämlich nicht ganz gering. In den meisten Passagierflugzeugen stellt der persönliche Höhenflug an Board eine Straftat dar und kann mit Geldbußen und sogar Freiheitsentzug bis zu einem Jahr geahndet werden. Aber vielleicht ist das gerade der Kick dabei?


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