Wein im Flugzeug

Wein im Flugzeug: Ein sensibler Flugbegleiter

© Lufthansa

Warum schmeckt ein Wein im Flugzeug in luftiger Höhe ganz anders als am Boden? Wie wählt die Lufthansa das Weinsortiment in Business und First Class aus? Und wie transportiere ich Wein im Flugzeug am besten? All das verraten wir. 

Die Flughöhe ist erreicht, der Service beginnt. Darf es Rot- oder Weißwein sein? Viele Fluggäste gönnen sich ein Gläschen; der Genuss von Wein gehört für manche Reisende zum perfekten Flug ganz einfach dazu. Doch vor dem Genuss steht harte Arbeit – für die Airlines und für ihre Weinspezialisten. Denn bei der Weinauswahl geht es nicht nur um Menge, Preis und Verfügbarkeit, sondern zunächst einmal um die Frage: Welcher Wein eignet sich am besten für den Verzehr in 10.000 Meter Flughöhe? Das ist der Moment, in dem die Kompetenz von Sommelièren gefragt ist. Sie beraten die Airlines, wie Lufthansa & Co. bei der Auswahl guter Tropfen.

Denn: Die Welt des Fliegens hat ihre eigenen Gesetze – und das gilt auch für den Wein. Der schmeckt ohne Bodenhaftung ganz anders. Dafür kann allerdings der Wein selbst gar nichts. Denn weder Gerbsäure noch Restzucker ändern sich im Flugzeug. Was sich allerdings ändert, ist unsere Wahrnehmung, das haben zahlreiche Tests auf Langstreckenflügen ergeben.

Wein im Flugzeug: Der Mensch ist kein Vogel

Die Hauptursache liegt in der trockenen Luft an Bord: Bei nur 15 % Luftfeuchtigkeit werden die Schleimhäute trocken, der Mensch nimmt Düfte schlechter wahr. Also auch das Weinaroma.  Eine weitere Komponente ist der niedrige Luftdruck in der Kabine, er bedingt eine schwächere „retronasale Wahrnehmung“. Was bedeutet, dass ein zurückhaltender Wein an Bord „flach“ wirkt, ein kräftiger dagegen elegant. Der Grund für diese unterschiedlichen Wahrnehmungen ist ein ganz einfacher: Der Mensch ist kein Vogel. Daran können selbst die modernsten Flugzeuge und die bequemsten Sitze nichts ändern.

Säure ist unangenehm, der Körper hat Appetit auf Süßes

Ein Mensch spürt bei Start und Landung ganz deutlich die Kräfte der Beschleunigung. Aber auch während des Fluges bleibt der Körper aufgrund der Vibrationen stetig in Bewegung. In Kombination mit dem Druckausgleich in der Kabine kommt es zu besagter veränderter Wahrnehmung. Der Körper „arbeitet“, auch wenn das nicht so empfunden wird. Er reagiert auf die Belastung mit einem stärkeren Empfinden von Säure und Gerbstoffen sowie einem gesteigerten Appetit auf Süßes. Wenn man so möchte, kann man die Situation eines Fliegenden mit der eines Sportlers, der bei Anstrengung vermehrt Kohlenhydrate braucht, vergleichen. Der menschliche Organismus stellt sich in der Luft auf größere Zuckermengen ein, deshalb wird Süße schwächer wahrgenommen. Sie sollten also mal in der Luft einen feinen Dessert Wein probieren. Diese werden in Business oder First Class gerne mal zum letzten Gang ausgeschenkt. Sie werden feststellen: Die Süße ist 10.000 Meter höher, viel subtiler und besonders angenehm. Säure und Gerbstoffe werden wiederum als unangenehm wahrgenommen. 

Wein im Flugzeug: Die richtige Wahl bei Lufthansa

Es sind beachtliche Zahlen: Bei der Lufthansa werden beispielsweise pro Jahr vier Millionen Liter Wein ausgeschenkt. In der Business Class wechseln die Weine alle zwei Monate, in der First Class monatlich. Vielflieger wünschen sich Abwechslung.

Doch wie wird dieses Wissen bei der Weinauswahl der Fluggesellschaft umgesetzt? Bei der Fluggesellschaft stehen regelmäßig Verlosungen mit Sommelier-Beratung an. Dabei wird blind verkostet. In einer Gruppe von acht eingespielten Verkoster:innen mit internationaler Verkostungserfahrung kommen an einem Arbeitstag bis zu 80 Weine auf den Tisch. Beurteilt wird nach einem 20-Punkte-Schema mit Mindestnote. Wenn eine Mindestnote vorgegeben wird, muss der Wein diese Mindestnote in der Bewertung einstimmig erzielen, sonst ist er durchgefallen. Durchschnittswerte gibt es bei uns nicht.

Wie transportiere ich Wein im Flugzeug am besten? 

Nun wissen wir, wieso der Wein in der Luft anders schmeckt – und wie die Lufthansa die Weinkarte auswählt. Doch wie wiederum lässt sich Wein im Flugzeug am besten transportieren. Viele Liebhaber:innen entdecken in ihrem Sommerurlaub vielleicht einen herrlichen Tropfen – sorgen sich dann aber um den Transport. Schaden Hitze, Luftdruck und Bewegung dem Wein? 

Nun. Ein paar Dinge gibt es zu beachten:

  1. Die richtige Verpackung. Der Wein gehört ins Aufgabegepäck – also in den Koffer. Um den Luftdruck müssen Sie sich bei der verschlossenen Flasche keine Sorgen machen. Das macht dem Wein nichts aus. Wichtig ist, dass Sie auf gute Schutzverpackungen für die Weinflaschen achten. Denn das Bodenpersonal, dass das Flugzeug be- und entlädt, geht mit den Gepäckstücken meist nur wenig glimpflich um. Der Wein könnte zerbrechen. Deswegen: Einfach beim Kauf beim Winzer nach einer Styropor-Ummantelung fragen. Richtig verpackt kann nichts passieren.
  2. Unruhiger Transport schadet dem Wein kaum. Zwar könnte das Hin- und Herrücken im Flieger bei älteren Weinen dafür sorgen, dass das abgesetzte Depot aufgewirbelt wird. Dann vermengen sich Weinkristalle mit dem Wein, was den Trinkgenuss einschränkt. Daher unser Tipp: Geben Sie dem Wein nach Ankunft einige Tage Ruhe, bevor Sie ihn trinken. Dann hat sich das Depot auch wieder am Boden der Flasche abgesetzt und Sie können in aller Ruhe Dekantieren.  
  3. Hitze ist der Feind des Weines und schädigt den Geschmack. Achten Sie also während der Reise darauf, dass Sie den Koffer mit den feinen Weinen beispielsweise nicht im heißen Auto lassen oder in der Sonne stehen lassen. Während der Flugreise können Sie aber ganz gelassen bleiben. Der Gepäckraum ist nicht übermäßig heiß, sondern eher kühl und bietet dem Wein gute Transportbedingungen.

Alle Fragen geklärt? Wie wunderbar. Dann bleibt nichts weiter zu sagen, als: à santé!


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