Business-Knigge Bayern

Business-Knigge: Die Bayern-Edition

© Illustration / Adrian vom Baur

Einer der Vorzüge des Vielfliegerdaseins ist die Wahrscheinlichkeit, mit anderen Kulturkreisen in Berührung zu kommen. Hinter dieser Chance lauert bedauerlicherweise zugleich die größte Gefahr: Unser Autor Patrick Lindner erklärt in Business-Knigge – Die Bayern-Edition über Fettnäpfchen und Potenziale beim Geschäft mit Bajuwaren.

Begrüßung

Sobald Sie den Weißwurstäquator überfliegen, tun Sie gut daran, den einheimischen Geschäftspartnern Ihren Respekt mithilfe lokaler Anreden zu zollen. Ein freundliches „Servus“ kann zur Begrüßung und zum Abschied verwendet werden. Zur Zielgruppe dieser universellen Grußformel gehören mehr oder minder alle Mitglieder Ihrer Hierarchiestufe. „Grüß Gott“ erfreut insbesondere ältere Ansprechpartner, geht atheistischen Nordlichtern jedoch schwerer über die Lippen. Sofern der Patriarch im Unternehmen Ihnen Audienz gewährt, können Sie mit „Habe die Ehre“ brillieren. Ihre Gastgeber werden Ihr interkulturelles Engagement gewiss mit einem gemäßigten Dialekt belohnen.

Anrede

Auch in Bayern fahren Sie mit der Anrede „Herr“ und „Frau“ auf der sicheren Seite. Falls Sie in einem konservativen Firmengeflecht unterwegs sind, empfiehlt sich spätestens ab Vorstandsebene die Verinnerlichung etwaiger akademischer Titel. Unüblich ist die Benutzung von Adelstiteln in der Anrede – so wie im Rest Deutschlands. Wundern Sie sich nicht, wenn älteren Arbeitnehmern ab und zu ein „Fräulein“ gegenüber jungen Kolleginnen herausrutscht. Falls es Sie selbst trifft, weisen Sie einfach freundlich darauf hin oder entgegen Sie humorig mit „Herrlein“.

Hierarchien

Je ländlicher Sie unterwegs sind, desto obrigkeitstreuer sollten Sie agieren. Beim Eintritt in größere Gruppen gilt: gemäß der Hierarchie begrüßen – bei gesellschaftlichen Anlässen, wie einem Bankett, Damen jedoch immer zuerst. Als Frau ist das einfacher, Sie können in beiden Fällen nach Hierarchie gehen. Das sogenannte „Kavalier-Dilemma“ bleibt Ihnen erspart. In progressiven Unternehmen (oder bei völliger Ahnungslosigkeit) können Sie es halten wie mit dem Besteck beim Acht-Gänge-Menü: von außen nach innen vorarbeiten, ohne besondere Rücksicht auf Hierarchien. Ein verständiges Lächeln und das „Servus“ aus Punkt 1 retten Sie im Zweifelsfall.

Zeitmanagement

Das bayerische Zeitgefühl ist vermeintlich paradox. Einerseits genießt man gerne und frönt dem Müßiggang. Andererseits ist Pünktlichkeit weit mehr als eine Zierde. Die simple Erklärung: Wer pünktlich anfängt, kann schneller Feierabend machen. Tun Sie sich und anderen daher einen Gefallen und erscheinen Sie als Besucher pünktlich. Falls sich Flieger oder Bahn verspätet haben, schimpfen Sie auf das verantwortliche Unternehmen. Das schafft Sympathie dank gemeinsamer Erfahrungswelten. Der Ausnahmefall: eindeutige Hierarchieunterschiede. Wer als Bittsteller auftritt, muss Verspätungen seines Gastgebers tolerieren.

Smalltalk

In bayerischen Lokalen findet sich öfter ein Schild mit der Aufschrift Politisieren Verboten. Beherzigen Sie diesen Hinweis für den Smalltalk in der Kaffeepause. Während in München ein Bezug auf tagespolitische Geschehnisse durchaus für lebendige Gespräche sorgen kann, führt er in ländlichen Gebieten schnell aufs Glatteis. Immer gehen hingegen: das Wetter, das Unternehmen Ihres Geschäftspartners, das leckere Essen, die schöne Landschaft, neue Modelle von BMW und natürlich der FC Bayern – Letzteres ohne ironischen Unterton, versteht sich.

Das Geschäftsessen

Bayerisches Essen ist zünftig und Teil des Nationalstolzes. Trotzdem haben insbesondere Metropolregionen weit mehr zu bieten als Haxe und Sauerkraut. Weißwurst-Zuzeln oder Austern-Schlürfen obliegen dem persönlichen Geschmack. Bei der After-Work-Maß Bier sind sich wieder alle einig – hier herrscht wenig Kompromissbereitschaft.

Kleidung

Anders als im zurückhaltenden Norden zeigen sich Bayern gern in voller Tracht, äh Pracht. Ein ordentliches modisches Outfit wird gewürdigt. Das Maß an Freizügigkeit (bei Damen) und Progressivität (bei Herren) richtet sich stark nach dem Unternehmen. In konservativen Branchen sind Perlenkette und Dreiteiler nach wie vor präsent. Außer beim Oktoberfest sollten Nichtbayern auf Tracht verzichten – vor allem auf günstige Modelle vom Discounter.

Präsentationen & Meetings

Machen Sie nicht den Fehler, den Dialekt Ihres Gegenübers zu imitieren, nur weil sie ihn putzig oder gar befremdlich finden. Die inhaltliche Prägnanz der Aussagen bleibt dieselbe, auch wenn sie von „ja mei“ und scharfem „s“ begleitet wird. Ansonsten gelten die üblichen Spielregeln: ausreden lassen, konstruktive Verbesserungsvorschläge machen und bei einschläferndem Sauerstoffmangel im Konfi das Fenster öffnen.

Geschenke

Kleine Aufmerksamkeiten erhalten die Geschäftsbeziehung, vor allem, wenn sie einen Bezug zum Business oder den Interessen des Beschenkten haben. Sichere Optionen sind: Blumen, Alkohol und regionale Delikatessen (aus Ihrer Heimat natürlich). Größere Präsente erscheinen schnell befremdlich und sollten gemieden werden.

Bloß nicht!

Don’t mess with Bayern! Schon lange vor der kleindeutschen Lösung von 1867 verfügte Bayern über eine souveräne kulturelle Identität. Diese ist ein erheblicher Wirtschaftsfaktor und wird daher mit Hingabe gepflegt. Oder anders betrachtet: In jedem Land gibt es Regionen, die für sich eine kulturelle Extrawurst einfordern. Wie man es auch dreht, die bayerische Kultur ist ein Markenzeichen und steht somit nicht zur Diskussion – insbesondere, wenn man eine glückliche Geschäftsbeziehung anstrebt.


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