Business Jets

Business Jets: Wann lohnt sich die Geschäftsreise mit dem Privatjet?

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Hätten Sie es gedacht: Etwa die Hälfte aller Geschäftsreiseflüge in Deutschland geht laut WingX Advance zudem auf Privat Jet- und Charter-Anbieterzurück. Ob NetJets, Nomad Aviation oder JetSmarter – der Bereich der Private Aviation boomt. Dabei liefern sich die Betreiber von Business Jets einen erbitterten Preiskampf, zur Freude der Reisenden. Denn so wird das Reisen mit dem privaten Flugzeug erschwinglich. Doch wann lohnt sich die Geschäftsreise mit Business Jets eigentlich wirklich?

Es klingt verlockend: Man reist in voller Flexibilität, das Flugzeug kommt zu der bestellten Uhrzeit und wartet auch noch auf einen, sollte man beim Meeting länger brauchen. Für die Manager der internationalen Konzerne und ihre Mitarbeiter sind die Geschäftsreiseflugzeuge häufig das Mittel der Wahl, um zwischen Produktionsstandorten in den USA, der Türkei oder dem Wachstumsmarkt China hin und her zu reisen. Viele große Dax-Unternehmen leisten sich deshalb eigene Werkflugzeuge, die ausschließlich die eigenen Mitarbeiter fliegen. Die VW-Tochter Volkswagen Air Service etwa ist im Besitz gleich mehrerer Maschinen: von der Falcon 2000 bis zum Airbus A319.

Business Jets chartern: Worauf sollte man achten?

Jene Unternehmen, die sich eine eigene Maschine nicht leisten wollen, können sich an entsprechende Privat Jet-Betreiber wenden. NetJets beispielsweise bietet Anteile an Geschäftsreiseflugzeugen zum Kauf oder zur Miete an. Man kauft für einen gewissen Preis eine Anzahl von Flügen, die man dann das Jahr über nutzen kann. Keine Extra- oder Positionierungskosten, keine Leerflüge. Das Konzept wird gerne angenommen. NetJets ist das weltgrößte Unternehmen dieser Art.

Auch kleinere Anbieter wollen auf dem Markt mitspielen: JetEight beispielsweise ist ein All you can fly-Startup aus Deutschland. Nomad Aviation wiederum ist ein Charter-Unternehmen aus der Schweiz. Und auch das US-amerikanische  Unternehmen JetSmarter will den Luxus demokratisieren. So verlockend manche Angebote sein mögen: Wichtig ist es  für Travel Manager dabei darauf zu achten, dass die kleineren Betreiber ebenso über ein großes Maß an Erfahrung, Fachwissen und finanzielle Sicherheit mitbringen.

Was kosten Business Jets?

Zugegeben: Im Vergleich zu Billig-Tarifen der Airlines, ist das Chartern von Privatflügen ein teures Vergnügen: Etwa 1500 Euro kostet eine Stunde im kleinen Privatjet. Mit der Größe und Ausstattung steigt der Preis schnell in die Höhe, kann auch die 10.000 Euro-Grenze überspringen. Vergleicht man diese Zahlen allerdings mit den Preisen für Business und vor allem First Class, wirkt das Chartern der Business Jets plötzlich gar nicht mehr so überteuert. Zudem sollte man die Arbeitszeit in jedem Fall mit einberechnen. Als Beispiel: Eine Gruppe von Geschäftsreisenden muss von Paderborn nach Genf reisen und wieder zurück. Das ist – inklusive Umsteigen – an einem Tag kaum machbar. Dennoch kosten die Tickets für alle Reisenden in der Economy-Klasse 6000 Euro. Wer nun einen Business Jet chartert, bezahlt dafür vielleicht 8000 Euro – dafür sind die Reisenden aber am gleichen Abend wieder zu Hause und am nächsten Tag wieder im Büro. Ein Arbeitstag ist somit gespart.

Gerade für Unternehmen in Ostwestphalen oder anderen infrastrukturellen schwächeren Gebieten, bieten sich Business Jets an. Große Verkehrsflughäfen wie Düsseldorf sind von Paderborn mehrere Autostunden entfernt. Von dem eigenen kleinen Flughafen werden nur wenige Direktflüge angeboten. Ein kleines Privatflugzeug kann dagegen ohne weiteres derartige Airports anfliegen. Das bestätigt auch Carsten Michaelis, Vice President von NetJets Europe: „Über 80 Prozent der Flughäfen, die wir anfliegen, sind solche, die keine tägliche Flugverbindung haben. Also gerade die kleinen „Hard-to-Reach“-Orte werden von unseren Gästen besonders gerne angeflogen.“

Ein Wachstum wird weiter erwartet

Dass Branchenkenner also annehmen, dass das Potential von Business Jets noch nicht ausgeschöpft ist, überrascht kaum. Ein Wachstum ist wohl auch in den kommenden Jahren zu erwarten, erst Recht, wenn auch Mittelständler weiterhin ins Ausland expandieren. Mehr noch: Die Branche hat bereits die nächsten Superlative der Business Jets angekündigt. So will beispielsweise die US-Firma Aerion Corporation eine Art Concorde-Nachfolger als Privat Jet auf den Markt bringen: Der Flieger Aerions AS2 soll mit 1,1 bis 1,4 facher Schallgeschwindigkeit fliegen und die Strecke London-New York in vier Stunden schaffen, und zwar zu einer minimierten Lautstärke. Die Zielgruppe ist dabei eindeutig: Menschen, die es besonders eilig haben. Und das sind bekanntlich die meisten der Geschäftsreisenden.


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