restaurant Wilhelm Berlin Humboldt Forum Erfahrungen

Zu Besuch Restaurant Wilhelm im Humboldt Forum

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Der eine: ein Reisender, ein Entdecker, der bis in den Amazonas vordrang. Der andere: ein preußischer Staatsmann mit einer tiefen Liebe für die französische Kultur (und Cuisine). Die Rede ist von Alexander und Wilhelm von Humboldt. Ihnen beiden ist im Berliner Humboldt Forum das kulinarische Konzept gewidmet – das aus zwei miteinander verbundenen Lokalitäten besteht. Dem „Deli Alexander“ und dem „Restaurant Wilhelm“. Dabei ist vor allem Letzteres für anspruchsvolle Gaumen ein Must-Do, wie unsere Chefredakteurin Frieda Lewin findet. Sie hat sich durch die deutsch-französische Karte des casual Fine Dining Restaurants probiert – und zählt das Wilhelm schon jetzt zu einem der besten Restaurants der Stadt. Eine (wir geben zu) wenig kritische Restaurantkritik.

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© Frieda Lewin

Es wird wohl kein Zufall sein, dass das Deli nach Alexander von Humboldt benannt wurde – und das gediegene Restaurant wiederum nach Wilhelm. Denn ein Deli, so zumindest unsere Interpretation, dient doch dem raschen Essen, dem „to go“-Ansatz, dem stärkenden Snack für Zwischendurch – bevor man sich ins nächste Abenteuer stürzt. Das passt zu Alexander von Humboldt, dem Naturforscher und Entdecker, dessen Wissensdrang ihn vom Fichtelgebirge in Franken bis in den tiefsten Dschungel nach Südamerika führte. Gesitteter und gesetzter war sein älterer Bruder Wilhelm, der eloquente Gelehrte, der Staatsdiener mit revolutionären Ansätzen für Kultur, Bildung und Staatstheorie. Das also das gediegenere (aber alles andere als eingestaubte) Fine Dining Restaurant im Humboldt Forum nach ihm benannt wird, wirkt auf uns nicht zufällig. Aber wie gesagt: Das ist nur unsere Interpretation des kulinarischen Konzepts.

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Das Interieur im Restaurant Wilhelm

Staunend betreten wir das Restaurant Wilhelm. Das Interieur ist edel und eindrucksvoll – und ein gekonnter Spagat zwischen modernen Mid-Century-Elementen und Klassizismus. Geradlinige Kassettendecken mit indirekten Lichtquellen und eine schnörkellose Vertäfelung an den Wänden. Prächtige Säulen, mit schlichten Reliefs. Samtige Möbel, gläserne Regale, eindrucksvolle skulpturale Überbauten; goldene Palmwedel, üppige Pflanzen, eine gold-schimmernde Bar und dahinter die offene, verglaste Küche, mit begrünter Weltkarte. Hier bekommt man Einblicke in die Präzisionsarbeit des Küchenteams rund um Fabian Fiedler. Aber zu später.

An den Wänden hängen Schriften, Aufzeichnungen und Porträts des Namenspatrons. Und auch in der Karte findet man immer wieder Zitate von oder über Wilhelm von Humboldt. Überall, aber nicht aufdringlich, weisen Reminiszenzen darauf hin, dass man sich hier – im Berliner Humboldt Forum – auf geschichtlich bedeutsamen Boden befindet. Da wird der Besuch im Restaurant Wilhelm für Geist und Gaumen gleichermaßen erhellend.

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„Vom Einfachen das Beste, aber gekonnt.“

Deutsch-frazösische Kreationen stehen auf der Karte, in Anlehnung an die Zeit Humboldts in Paris. Allerdings versucht man im Restaurant Wilhelm keine kulinarischen Abenteuer zu unternehmen. Die Karte strahlt eine gewisse Bodenständigkeit aus. Ganz nach dem Credo: „Vom Einfachen das Beste, aber gekonnt.“ Da finden sich Königsberger Klopse und schwäbische Maultasche, Salat Niçoise, Oeuf Cocotte und Coq au Vin auf der Karte. Eine schöne Melange, recht fleischlastig vielleicht – aber in sich sehr schlüssig – erscheint die Karte. Dazu gibt’s eine gute Weinkarte, die ausschließlich deutsche und französische Weine bietet. Das mag nicht überall auf Gegenliebe stoßen. Ist aber nur konsequent, im Sinne des Konzepts. Fündig werden Wein-Liebhaber:innen allemal. Eine echte Empfehlung ist beispielsweise Sancerre von der Loire, oder der schlanke Spätburgunder aus der Pfalz. Als Aperitif wählen wir aber erst einmal einen Cocktail: Den Signature-Drink Wilhelm zum Beispiel sowie den Klassiker Prince of Wales.

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Gerade jene Besucher:innen, die beispielsweise nach einem Besuch im Humboldt Forum nur auf einen Drink an der goldenen Bar Platz nehmen wollen, werden diesen kleinen Twist auf der Karte zu schätzen wissen: Die Rede ist von den kleinen Appetizern, die man noch vor der Vorspeise wählen kann – bevor man sich dem eigentlichen Dinner widmet. Frische Austern (roh oder pochiert) zum Beispiel, oder ein Tellerchen Jambon bayonne. Der fein-würzige, nussige und außergewöhnlich aromatische Bayonne Schinken aus Südfrankreich ist für uns eine echte Entdeckung. Wir müssen zugeben: In Rekordgeschwindigkeit war diese Wunderbarkeit auch schon wieder verschwunden. 

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Und wo wir gerade von Kleinigkeit sprechen: Als Küchengruß im Miniatur-Format und kulinarischer Vorbote werden uns zum Aperitif zwei käsige Windbeutel serviert. Fluffig und luftig und herrlich aromatisch. Eine tolle Konsistenz. Kein Wunder: Küchenchef Restaurant Wilhelm ist Fabian Fiedler, der bis 2019 Chef Pâtissier im Wolfsburger drei-Sterne-Restaurant „Aqua“ tätig war und im Anschluss hier in Berlin bei der Eispatisserie Hokey Poly mitmischte. Jetzt ist er sozusagen zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Zeitgenössische französische Küche kennt Fiedler aus dem Restaurant „Schwarzer Adler“, wo er einst lernte.  

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Restaurant Wilhlem: Und wie schmeckt’s?

Wir wählen zur Vorspeise Oeuf Cocotte und Steak Tartar à la Wilhelm. Letzteres, das betont man nicht nur einmal im Restaurant Wilhelm, ist handgeschnitten – und somit etwas gröber, als man es aus manch anderen Restaurants kennt. Das mag banal klingen, ist es aber nicht! Das Steak Tartar wird so nicht nur bissfester, sondern auch aromatischer. Während oftmals Tartar so kleingehexelt wird, dass es eher an – Verzeihen Sie unseren Jargon – die Schlonzigkeit eines mittelmäßigen Metts erinnert, hat man beim Genießen des Steak Tartars à la Wilhelm richtig zu tun. Nicht zuletzt deswegen, da die Portion stattlich ausfällt. Das Aroma des Fleischs paart sich perfekt mit der Säure der Kapern – und das macht richtig Spaß.

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© Frieda Lewin

Die Oeuf Cocotte werden uns wiederum im kleinen, hübschen Schälchen serviert. Mit Freude tunken wir das gute Sauerteigbrot, das gereicht wird, in die cremige Masse – ein kleiner Urlaubsmoment zum Essen. Und wo wir gerade vom Sauerteigbrot sprechen. Das wird begleitet von gesalzener Butter und herausragend aromatischen Schweine-Rilette gereicht. Das ist ein französischer Brotaufstrich aus Fleisch und, wie es unsere unterhaltsame und fähige Kellnerin treffend formuliert: einer „groben, wahnsinnig leckeren Leberwurst“ gleichkommt. Recht hat sie. 

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Konzentration auf das Wesentliche

Als Hauptgang wählen wir das Coq au Vin in einer kräftigen Rotweinsauce mit handgeschabten Spätzle und die Seezunge, knusprig gebraten, begleitet von einem sämigen Kartoffelpüree – das wir leider nur zur Hälfte schaffen. Die große Seezunge erstreckt sich über den gesamten Teller. Das feste Fleisch lässt sich ohne Weiteres von den Gräten ablösen und es braucht keine erschlagende Sauce, es braucht nur die vereinzelten, angerösteten Zitronen als kulinarische Kompagnons für ein echtes Geschmackerlebnis. Genau das macht die Küche im Restaurant Wilhelm so zugänglich: Man konzentriert sich auf das Wesentliche. Auf gute Qualität und gekonnte Zubereitung. Gepaart mit anständigen Portionen, die wirklich satt machen – und das zu überraschend fairen Preisen. Anspruchsvoll? Ja bitte. Aber nicht abgehoben. Das kommt gut an – beim Berliner Publikum gleichermaßen, wie bei Tourist:innen, die es in den Schlüterhof des Humboldt Forums verschlägt.

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Restaurant Wilhelm: Und zum Dessert?

Schwere Entscheidungen hat man zum Ende des Dinners im Restaurant Wilhelm zu treffen. Soll es eher die Käseplatte mit feinen Spezialitäten vom Berliner Blomeyer’s Käse sein? Oder doch eine süße Kreation von Herrn Fiedler? Wir gehen mit süß – mit einem gekonnten Crème brûlée und den Profiteroles Traditional. Die sind gefüllt mit einer feinen geeisten Creme aus Madagaskar-Vanille und werden mit geschmolzener, warmen Grand Cru-Schokolade gereicht. Daraus ergibt sich ein schönes Spiel der Texturen. Toll!

WilhelmAlexander Berlin

© Frieda Lewin

Ein kleines Fazit: Wir grüßen vom Nachbartisch

Toll ist der Besuch im Restaurant Wilhelm aber auch und vor allem, aufgrund des Services. Hier, das merkt man vom ersten Moment an, sind Profis und echte Gastro-Enthusiast:innen am Werk. Das Wissen um Wein und Gerichte ist breit und fundiert. Ausmferksam und unaufgeregt wird der Gast umsorgt. Es spricht für das Restaurant Wilhelm, dass man trotz Pandemie so fähige Leute gefunden hat, die einem im Gedächtnis bleiben.

Sie merken schon: Es handelt sich hier um eine wahrlich unkritische Restaurantkritik. Und so lässt sich nur zusammenfassen: Gehen Sie hin! Wir wünschen einen schönen Abend. Und grüßen vom Nachbartisch. Denn das war nicht unser letzter Besuch im Restaurant Wilhelm. 

Wilhelm Alexander Berlin

© Frieda Lewin

Auf einen Blick

WilhelmAlexander
Adresse: Humboldt Forum Schloßplatz, 10178 Berlin
Öffnungszeiten Wilhelm:
  • Donnerstag bis Sonntag 18:00 bis 22:30 Uhr
  • Tel.: +49 30-31873243-40

Öffnungszeiten Deli Alexander:
  • Täglich 11:00 bis 18:00 Uhr, dienstags geschlossen.
  • Tel.: +49 30-31873243-30

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