Zur Bleiche Resort & Spa

Bleiche Resort & Spa: Rendezvous mit dem Spreewald

© Zur Bleiche Resort & Spa

„Burg (Spreewald)“ und etwas kleiner darunter „Bórkowy (Błota)“ steht auf dem gelben Ortsschild geschrieben. Wessen Reise in das Hotel Bleiche Resort & Spa führt, wird zweisprachig geführt – auf Deutsch und auf Sorbisch. Der Weg zum Resort zur Bleiche ist von Schnee und Lichterketten gesäumt. Es ist Januar, kalt und verschneit. Genau das richtige Wetter, um sich vom hektischen Alltag in Berlin zu verabschieden und der Schönheit des Spreewalds hinzugeben. Denn jener bietet selbst für den weitgereisten Journalisten jede Menge Erholung und Ruhe. Davon konnte sich Chefredakteurin Friederike Hintze selbst überzeugen, die kürzlich dem Ruf des „Landes unter dem Tau“ folgte…

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WLAN gibt es in der Bleiche nur in den öffentlichen Bereichen: Hier kann man sich aber erstaunlich gut konzentrieren – sollte man mal während des Aufenthalts arbeiten müssen...

© Friederike Hintze

„Witajso do nas“ – „Seid uns willkommen“ grüßt ein Schriftzug den eintretenden Gast über der Eingangstür. Sobald man das Bleiche Resort & Spa – kurz „die Bleiche“ – betritt, begibt man sich auch in eine andere Welt: Eine Welt aus eigener Sprache, Tracht und Tradition, eine Welt aus plätschernden und zirpenden Lauten, der Ruhe und Kontemplation. Internetzugang gibt es hier nur in der Lobby. Man solle sich dem Müßiggang und der Erholung widmen. Aus gutem Grund gibt es in dem gesamten Haus keine Uhren. Das Frühstück wird bis 12 Uhr Mittag serviert – und danach noch ohne preislichen Aufschlag à la Carte: als wolle man dem Gast mitteilen, endlich mal wieder auszuschlafen.

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Kunst und Skulpturen findet man in der Bleiche überall....

© Friederike Hintze

Hotel Bleiche Resort & Spa: Der Geschmack der Familie Clausing

Die Geschichte der Bleiche reicht bis ins Jahr 1750 zurück. Der Preußenkönig Friedrich II. legte den Grundstein für das Anwesen und ließ hier zu seiner Zeit seine Hemden bleichen – daher auch der Name des Resorts. Ein Bildnis des Alten Fritz, stattlich zu Pferd, erinnert an diese Anekdote und schmückt eine der Wände; gemeinsam mit anderen, historischen wie modernen Kunstwerken. Dafür ist die Bleiche berühmt: Egal wohin man blickt, man entdeckt steinerne Skulpturen und hölzerne Barock-Engel, Maria-Figuren neben antiken Tonschalen, aus denen Orchideen wuchern, Hirsch-Trophäen über einem beleuchteten Springbrunnen und japanische Paravans, marokkanische Sitzkissen nebst römisch anmutende Reliefs.

... auch Mariafiguren sind oftmals in den öffentlichen Bereichen in Szene gesetzt.

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Das klingt nach einem kunterbunten Allerlei, fügt sich aber zu einem erstaunlich geschmackvollen Ensemble zusammen. Es ist der Geschmack der Inhaber-Familie Clausing, der sich hier widerspiegelt – in den öffentlichen Räumen bis hin zu den Zimmern. Ländliche Eleganz, warme Farben und eine verspielte Üppigkeit sorgen für eine ur-gemütliche Stimmung. Zugegeben: Für manch einen mag das Interieur zu überladen sein. Doch die Bleiche soll wohl ohnehin nicht jedermann gefallen, sondern vor allem den Stammgästen. Und die machen immerhin 80 Prozent Belegung im Jahr aus.

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René Klage beehrt das Gourmet-Restaurant 17fuffzig seit Februar 2017.

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Ein neuer Koch beehrte die Bleiche

„Das Besondere an der Bleiche ist, dass wir stets offen für Veränderungen sind“, erklärt Hotelmanagerin Sandra Jacobs. Die wohl größte Veränderung steht bereits Anfang 2017 an. Ein neuer Koch beehrt das Resort: René Klages löst Oliver Heilmeyer nach vielen Jahren am Herd des Gourmet-Restaurants 17fuffzig ab und leitet dies offiziell ab Februar 2017. Hungern müssen die Gäste während des Wechsels nicht. Die verschiedenen Hotelrestaurants bieten, wenn auch nicht sterneverdächtige, qualitativ herausragende Küche: Während die sehr unterschiedliche Einrichtung der Restaurants vom grünen Gewolbe mit Lüster bis hin zur urigen Fischerstube mit Fellen und knarzigen Holzboden reicht, ist die Speisekarte überall dieselbe. Mit Ausnahme des 17fuffzig, das selbstverständlich ein eigenes, französisch-japanisch inspiriertes, Menü besitzt: Der Michelin-Guide habe sich bereits angemeldet, Klages sei ambitioniert und ein Perfektionist. Ob der Stern kommt oder nicht, sieht man in der Bleiche aber  gelassen: „Wir wollten einfach nur jemanden, der lecker kocht“, so Sandra Jacobs.

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Die "Adebar" im Zur Bleiche Resort & Spa.

© Friederike Hintze

Beim Gespräch sitzen wir in der Bar – der „Adebar“ (volkstümlicher Name für Storch, das Wahrzeichen des Resorts). Der Tresen ist in den Boden eingelassen. „Damit sich das Personal auf Augenhöhe mit den Gästen befindet“, so Jacobs. Denn darum geht es offenbar beim Service: Auf Augenhöhe zu arbeiten. Das Personal ist offen und (bis auf wenige Ausnahmen) gut gelaunt, hat stets für den Stammgast einen freundschaftlichen Spruch auf der Lippe und behandelt jeden Gast, ob Journalist oder nicht, gleichsam freundlich.

Zur Bleiche Resort & Spa

Der Außenpool: Im Sommer wie im Winter kann man hier seine Bahnen ziehen.

© Zur Bleiche Resort & Spa

Bleiche Resort & Spa: Herzstück ist die Landtherme

Doch die meisten Gäste kommen wohl weder wegen der Kulinarik noch wegen des Service, sondern vor allem wegen der Landtherme: Weit über die Grenzen des Spreewalds hinaus bekannt ist das 4000 Quadratmeter große Spa, Herzstück des Hotels Bleiche Resort & Spa. Der wohnliche von Kunst geprägte Stil setzt sich hier fort: Vor allem in den zahlreichen Ruheräumen mit bequemen Liegeflächen und ausladenen. Kein Gast liegt hier dicht bei dicht, jedem Ruhesuchenden ist jede Menge Platz geboten. Das macht das verwinkelte Spa zum Wellness-Bereich und Wohnzimmer zugleich.

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Einer der zahlreichen Ruheräume am Kamin in der Bleiche.

© Friederike Hintze

Selbstverständlich finden sich Sauna-Landschaft, Whirlpool, Innenpool (am knisternden Kamin) und beheizter Außenpool in der Landtherme. Ein Highlight ist das Spa-Kino, das im Bademantel besucht werden kann und täglich internationale Filme und Reportagen aus aller Welt zeigt. Viele der Anwendungen sind regional inspiriert – alles ist hier mit dem Spreewald verwoben: Dessen Herzschlag spürt man vor allem, wenn man im riesigen Garten, eingemummelt in eine weiche Felldecke, auf einer Liege döst.

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Die Zimmer in der Bleiche reichen von winzig ("Storchennest") bis weitläufig und großzügig.

© Friederike Hintze

Im Detail ein Hauch inkonsequent

Historie, Kunst und Kultur, Wellness, Landschaft und familiäre Herzlichkeit vereint in einem Hotel: Das Bleiche Resort & Spa passt in keine Schublade. Aus gutem Grund will man sich nicht den gängigen und gleichermaßen eingestaubten Maßstäben der Hotelklassifizierung unterwerfen. Als viel zu besonders und originell wird das Haus betrachtet. Jedoch führt der Entschluss, sich nicht dem Dehoga-Diktat zu beugen, an mancher Stelle zur Inkonsequenz. Im Badezimmer finden sich nur Plastikeimerchen für den Abfall. Die Minibar in einem wunderschönen und großzügigen Zimmer steht unverkleidet, schmucklos, ja, unmotiviert frei im Raum. Der Raucherbereich, ein Jugendstil-Pavillon – ist ungeheizt und entsprechend frostig im Winter. In den niedrigeren Zimmer-Kategorien sind die Kleiderschränke aus einfachem Sperrholz gefertigt. Das ist verwunderlich, wäre es doch leicht änderbar. Doch der Teufel liegt nun einmal im Detail. Selbst in der detailverliebten Bleiche.

Man blickt wohlwollend darüber hinweg: Denn wer durchdeklinierte Perfektion und designte Gleichförmigkeit sucht, ist in dem feinen Hotel im Spreewald ohnehin fehl am Platz. Alle anderen sind in der Bleiche herzlich willkommen… oder viel eher „Witajće k nam“.

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