Gourmesso Daniel Bülhoff

Gourmesso: Interview mit Daniel Bülhoff

© PR / Gourmesso

Vom Berliner Start Up zum Online-Marktführer: Das Unternehmen Gourmesso behauptet sich seit 2013 erfolgreich gegen den Weltkonzern Nestlé© und bietet mittlerweile das größte Fairtrade-Sortiment an Nespresso® kompatiblen Kaffeekapseln. THE FREQUENT TRAVELLER sprach mit Geschäftsführer Daniel Bülhoff über Kaffeeriesen, Berlin und „the next big thing“.

Herr Bülhoff, wie laufen die Geschäfte?

Daniel Bülhoff: Nach wie vor erfreuen sich Kaffeekapseln großer Beliebtheit und der anhaltende Trend zeigt, dass wir damals die richtige Entscheidung trafen, uns auf dieses Segment zu fokussieren. Daher blicken wir auf jeden Fall auch weiterhin optimistisch in die Zukunft. Nichtsdestotrotz wird der Wettbewerb natürlich immer härter; alle Kaffeeriesen sind in der Zwischenzeit in den Kapsel-Markt eingestiegen, aber eben vor allen Dingen offline. Wir sind mit eCommerce gestartet und haben auf online first gesetzt – eine Strategie, die sich ausgezahlt hat. Inzwischen sind wir Online-Marktführer für Nespresso® kompatible Kapseln.

Wofür steht Gourmesso?

Gourmesso steht für fairen und nachhaltigen Kaffeegenuss, größte Sortenvielfalt und einen sehr kundenorientierten Service.

Und worin unterscheiden sich Ihre Kapseln von den Nespresso®-Kapseln?

Unser Ziel war es von Anfang an, eine qualitativ gleichwertige Alternative anzubieten und  natürlich wollten wir uns auch über den viel günstigeren Preis positionieren. Das ist nach wie vor noch ein wichtiges Argument, denn unsere Kapseln sind bis zu 35 % günstiger. Aber das ist heutzutage kein alleiniger USP mehr. Vielmehr bieten wir mit über 25 Sorten das größte Sortiment auf dem Kapselmarkt. Alle Gourmesso-Kaffees sind Fairtrade zertifiziert und einige Kaffees sind auch Bio.

Außerdem wollen wir uns auch als Lifestyle-Brand und junges, innovatives Team aus Berlin von den anderen Kaffeemarken abheben. Das versuchen wir auch über unsere Produkte zu transportieren: Unsere Kaffees sind bunt und vielfältig, genauso wie Berlin. Wir wollen gar nicht mit Nespresso® „verwechselt“ werden, sondern uns auch optisch abheben und aus der Reihe fallen. Unsere Kaffeepäckchen sind auch zuhause im Küchenregal ein Eyecatcher.

Wie kam es zu der Idee?

Meine Mitbegründerin Nora und ich waren jahrelang Kunden von Nespresso®, konnten uns aber mit dem generellen Konzept der Brand nicht identifizieren. Die Kapseln waren uns auf Dauer zu teuer und wir wollten nicht für jede Bestellung in die Nespresso Boutique gehen. Online bestellen war relativ umständlich mit Anmeldung und Kundennummer. Das hat nicht mehr in unsere Lebensrealität gepasst – wir wollten einfach guten Kaffee, den wir unkompliziert bestellen konnten. So ging es offensichtlich vielen anderen auch. Als 2013 klar war, dass die Patente fallen, waren wir uns schnell einig: Da muss eine Alternative her!  Eine Kapselmarke,  die weniger elitär ist, ohne Abstriche in Punkto Qualität und Geschmack. Und natürlich ohne die hohen Preise aufgrund teurer Investments in Hollywood Testimonials.

Sie behaupten sich seit Jahren erfolgreich gegen den Kaffeeriesen Nespresso®: Wie haben Sie das gemacht?

Klar war es am Anfang eine klassische David gegen Goliath-Situation. Aber wir haben uns damals zu 100 % auf unsere Stärke, das Online Marketing, fokussiert. Wir waren somit einer der ersten, die den Fokus auf Online gesetzt haben. In der Anfangszeit hatten wir natürlich auch relativ geringe Ausgaben im Bereich Personal, da wir ja alles selber gemacht haben, wie bei den meisten Start Ups üblich.

Wir standen zudem von Beginn an immer in direktem Kontakt mit unseren Kunden, haben diese regelmäßig befragt und unsere Produkte entlang der Bedürfnisse kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert, z. B. unser Gourmesso-Sortiment 2015 komplett auf Fairtrade umgestellt. Ich denke, unser Erfolg beruht auch darauf, dass wir immer versuchen, unsere Kunden zu verstehen und herauszufinden, was sie möchten.

Und natürlich haben wir sehr viel investiert, alles was reinkam, direkt reinvestiert. Wir haben das Unternehmen komplett ohne Venture-Capital aufgebaut, worauf wir extrem stolz sind.

Nestlé© war sicherlich nicht erfreut über Ihren Markteintritt 2013: Wie ist Ihnen das gelungen?

Als Monopolist ist es natürlich immer ärgerlich, wenn andere Teilnehmer dazu stoßen. Es waren aber eher die großen Marken, die vor allem offline auf den Markt strömten. Wir wurden als kleines Berliner Start Up zu Beginn kaum beachtet, aber als wir dann online überall präsent waren, wurde man natürlich auch auf uns aufmerksam. Wir hatten in der Anfangszeit dann den ein oder anderen „Kampf“ auszutragen. Also ja, Nestle war dann auch über uns nicht sonderlich erfreut. Aber generell sieht man an unserem Beispiel auch: Man muss sich von den großen Weltkonzernen nicht einschüchtern lassen.

Wie sieht ihr Geschäftsmodell aus?

Wir versuchen omnipräsent zu sein und sind mittlerweile in über 25 Ländern vertreten. Wir verkaufen größtenteils in Deutschland über unseren Shop www.gourmesso.de, in den anderen Ländern über die jeweiligen Länder-Webshops und bespielen verschiedene Marktplätze wie Amazon, Jet, Walmart, Overstock etc. Wir vertreiben unsere Kaffees aber mittlerweile auch in einigen Supermärkten in Deutschland, v.a. REWE und Edeka. Gestartet sind wir tatsächlich 2013 mit unserem eigenen Webshop, über den wir in unserem ehemaligen Büro auf 10 m² in der Sonnenallee die ersten Päckchen händisch verschickt haben.

Wie wichtig ist der Standort Berlin für Sie?

Aus Gründersicht ist Berlin nach wie vor ein genialer Standort, kreativ, offen, innovativ. Hier kommen viele junge Leute aus der ganzen Welt zusammen, die Lust haben, gemeinsam etwas aufzubauen. Die Internationalität unserer Firma war für uns von Anfang an immens wichtig, da wir im 1. Geschäftsjahr die Märkte in Frankreich, Spanien, der UK und schließlich auch den USA erschlossen haben. Berlin ist aus meiner Sicht die relevanteste Start up City in Europa und verhältnismäßig günstig, trotz der in den letzten Jahren stark gestiegenen Mietpreise.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Loslegen, anstatt zu lange zu tüfteln bis alles perfekt ist. Manchmal neigt man gerade am Anfang dazu, so lange zu warten, bis alles zu 100 % steht und erst dann zu starten. Da geht man das Risiko ein, wertvolle Zeit zu verlieren, denn im Start-Up-Business zählen Timing und die Geschwindigkeit, mit der man auf den Markt geht. Je länger man wartet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer vor einem die Lücke schließt. Deswegen lieber mit 80 % durchstarten und die restlichen 20 % nachjustieren.

 

Wie geht es mit Gourmesso in Zukunft weiter? Was steht an?

Wir arbeiten weiter daran, unser Sortiment auszubauen und testen viel. Aber uns ist hier auch, wie vorhin schon erwähnt, die Meinung unserer Kunden sehr wichtig. Zum Beispiel wünschten sich viele Kunden besonders starke Kaffees und Anfang Oktober haben wir drei neue High Intensity- Kaffees in den Intensitäten 10-12 gelauncht, die Nite-Edition. Wir entwerfen gerade auch weitere Sorten für unsere Teekapseln.

Außerdem arbeiten wir an einer vollkompostierbaren Kaffeekapsel und haben aktuell – neben der herkömmlichen Kapsel – auch eine Kapsel aus kompostierbaren Materialien im Sortiment, die sich in der Testphase befindet. Die derzeitige Technologie ermöglicht es uns noch nicht, diese in der Praxis so einfach umzusetzen und das gesamte Sortiment auf diese Kapsel umzustellen, aber wir sind dran. In Bezug auf den Vertrieb wollen wir noch mehr in Richtung Supermärkte und Hotels vordringen. Ein ganz klares Ziel von uns ist: Wir wollen uns als die Alternative für Nespresso kompatible Kapsel etablieren, sowohl online als auch offline.

Mit Kaffeekapseln sind wir damals natürlich sehr spitz gestartet, aber in Zukunft sehen wir uns langfristig auch in weiteren Segmenten des Kaffeemarktes, wie z. B. Bohnenkaffees oder Cold Brew. Hier gibt es unserer Meinung nach noch viel Potential.

 

Was glauben Sie, wird im Internet „the next big thing“?

Ich kann natürlich nicht in die Zukunft schauen und möchte daher keine Prophezeiungen wagen, aber gerade in der Technologiebranche wird es, denke ich, mit Themen wie Bit Coins / Blockchains, selbstfahrenden Fahrzeugen, Artificial Intelligence und Augmented Reality auf jeden Fall noch sehr spannend werden.


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