Conichi App Gründer Maximilian Waldmann und Frederic Haitz

Conichi: Interview mit Gründer Maximilian Waldmann

© PR / conichi

Nie mehr den Meldeschein ausfüllen, ein schneller Check-in und Nebenausgaben mobil bezahlen, um den Check-out zu überspringen: Das ist die Idee der conichi-Technologie. Dahinter steht der junge Gründer Maximilian Waldmann. THE FREQUENT TRAVELLER sprach mit dem smarten Unternehmer.

Herr Waldmann, wie laufen die Geschäfte?

Hätten Sie mich 2014 gefragt, hätte ich nicht genau gewusst, wie ich antworten soll. Seitdem arbeiten wir hart an der Vision conichi und mussten unser Produkt in den letzten Jahren mehrmals verändern, um einen wirklichenglobalen Standard für den Hotel Check-in/out zu kreieren. Das waren schwierige Jahre mit vielen Niederschlägen. Inzwischenist unsere Strategie und das Produkt final – wobei das bei einem Start-up eigentlich nie ganz der Fall ist. Zugleich haben wir zahlreiche DAX- und Fortune-Kunden gewinnen können, welche die Lösung für Ihre Reisenden einsetzen, sodass ich nun stolz sagen kann, es läuft sehr gut.

Ihre App soll, so heißt es in vielen Medien, derzeit die „Hotelbranche revolutionieren“. Wie genau machen Sie das?

Hier liegt seitens der Medien ein kleines Missverständnis vor. Wir selbst sind keine App, sondern vor allem ein Technologie-Standard, welcher in führenden Travel Apps wie HRS oder cytric sowie als Web App von Unternehmen direkt eingesetzt wird, um den Check-in/out in Hotels für den Geschäftsreisenden zu optimieren. Wir sind der Turbolader für Travel Apps und Lösungen, jedoch nicht eine eigene App.

Revolutionieren bedeutet für uns die lästigen Prozesse an der Rezeption und hinsichtlich der Reisekostenabrechnung zu automatisieren, sodass Geschäftsreisende pro Aufenthalt bis zu 20 Minuten sparen können. Egal ob man in einem Individual- oder Ketten-Hotel übernachtet, wir bieten ihm den gleichen einfachen Check-in/out an. Entweder konsolidieren wir hierfür die bestehenden online Check-in/outs oder etablieren diesen ganz neu, sollte das Hotel keinen bestehenden online Check-in/out besitzen.

Erklären Sie uns kurz das Geschäftsmodell der conichi-Technologie. Wie finanzieren Sie sich?

Nutzen Hotels conichi, qualifizieren Sie sich automatisch als Smarthotel und profitieren dadurch neben optimierten operativen Prozessen auch von bis zu zehn Prozent mehr Geschäftsreisenden. Hierfür zahlen die Hotels eine kleine monatliche Gebühr pro Zimmer. Wie gesagt, unser Interesse ist es nicht mit einzelnen Hotels viel Geld zu verdienen, sondern einen globalen Standard zu etablieren – das Modell ist ausschließlich attraktiv über die Masse der Smarthotels.

Wie entstand die Idee zu conichi? Aus der „eigenen Not heraus“?

Meine Mutter hat ein Hotel, hier habe ich von klein auf die operative Not gesehen, insbesondere während der Stoßzeiten. Vor conichi habe ich bei Google gearbeitet und bin dort viel gereist – nach etlichen Malen Schlangestehen und Meldescheine-Ausfüllen hatte ich beschlossen selbst eine Lösung für das Problem zu finden, welches sowohl den Hotels als auch denReisenden hilft.

Wer gehört zu Ihrer Zielgruppe?

Unser Fokus ist ausschließlich Geschäftsreisende bzw. deren Unternehmen. Hier liegt unser Fokus auf den DAX und Fortune Unternehmen, welche allesamt signifikantes Reisevolumen haben.

Mit wem arbeiten Sie bereits zusammen?

Wir haben fünf DAX Kunden, mit welchen wir erfolgreich zusammenarbeiten, sowie über 500 Hotels in Europa. Durch den Einstieg einiger globaler Ketten, steigt diese Zahl bis Ende des Jahres auf eine vierstellige Zahl an.

Haben Sie auch Gegenwind erfahren? Und wenn ja: Warum?

Insbesondere die globalen Hotels zu überzeugen war zu Anfangs nicht leicht, da diese alle bereits eine Lösung haben – erst mit signifikantem Geschäftsreisevolumen haben diese den Mehrwert verstanden und eingewilligt. Für Individualhotels war conichi schon immer eine gigantische Lösung, da es Ihnen mehr Reisende bringt und Ihnen eine innovative Lösung zur Verfügung stellt, welche sie sonst nur für hohe sechsstellige Beträge entwickeln müssten.

Sie sind weit gereist: Was muss ein Business-Hotel ihrer Meinung vor allem bieten?

Sicher wenig überraschend, aber neben einem reibungslosen Check-in/out muss ich die Rechnung mit korrekter Adresse nach Abreise in meinem Postfach haben, denn das ist das, was wir mit conichi umsetzen, und sich nach den letzten American Express Umfragen über 90% der Geschäftsreisenden wünschen. Zugleich liebe ich Architektur, daher kann ein Hotel mit gekonntem Design bei mir punkten. Es muss nicht teuer sein, aber Liebe zum Detail ist nach einem harten Tag Balsam für die Seele. Morgens brauche ich ein Gym. Auch hier gilt, es muss nicht groß sein, aber durchdacht.

Stichwort Digitalisierung: Wie ist die deutsche Hotelbranche hier ihrer Meinung nach aufgestellt? Gibt es Länder, die Vorreiter sind?

Deutschland ist in Sachen Digitalisierung definitiv hinten dran, die USA und China laufen uns hier regelrecht den Rang ab. Anders sieht es in Sachen Innenausbau aus, hier ist Deutschland vielen Ländern um Jahre voraus – das bedeutet jedoch nicht ausruhen. Insbesondere die globalen Ketten treiben die Digitalisierung hierzulande an, was insbesondere die 75% Individualhotelleriean ihre Grenzen führt, da die Gäste solche Lösungen längst erwarten und insbesondere Geschäftsreisende hierauf basierend ihre Hotelauswahl treffen.

Wohin geht es mit Conichi? Was steht als nächstes an?

Wir arbeiten weiter unter der Haube um die bestehenden Travel und WebApps noch besser zu machen und Hotel jeder Struktur einen innovativen Check-in/out zu bieten. conichi wird ein globaler Standard, sodass bald niemand mehr über den Check-in/out redet – dann haben wir unser Ziel erreicht.


Vorheriger Artikel Hotel Berlin, Berlin: Interview mit Jan-Patrick Krüger