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Sir Helga Berlin: Lecker, wie bei der liebsten Tante

© Frieda Lewin

Denkt man an Systemgastronomie, fallen einem Läden wie Peter Pane oder Vapiano. Nicht aber an feines Steak Tartar, handgemachte Cocktails und gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre – oder doch? Genau das bietet Sir Helga in Berlin-Friedrichshain. Es ist die zweite Dependance, nach München. Noch weitere Sir Helga Restaurants sollen in den nächsten Jahren deutschlandweit eröffnen. Mit gleichem Interieur und gleicher Karte. Es ist, wenn man so will, Systemgastronomie der gehobenen Art. Das wollten wir näher kennenlernen. Ein Besuch im Sir Helga Berlin-Friedrichshain.

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Sir Helga Berlin: Jedes Detail durchdacht

Wer, wie ich, in Friedrichshain gewohnt hat, der kennt die Kreutzigerstraße noch als etwas olle Straße im sonst gemütlichen, aber runtergerockten Boxhagener Kiez (genannt Boxi). Noch vor ein paar Jahren wäre ein schickes, szeniges Restaurant in dieser Region undenkbar gewesen. Aber der Wandel ist nicht aufzuhalten – und so läutet das Sir Helga mit seinem eindrucksvollen Interieur eine neue Ära in der Straße ein. Betritt man den Laden, wird man von dicken Samtvorhängen verschluckt und hineingesogen, in eine stylische Welt: Mit prachtvollen Lüstern, grün gekachelten Wänden und Dschungeltapete; schwarz-weiß gekacheltem Boden, samtigen Möbeln, matten Gold- und Pastellelementen und einer indirekt beleuchteter Bar. Alles ist hier bis ins kleinste Detail durchdacht.

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Teil der Münchner Savvy Group

Das verwundert kaum: Denn für das Interieur war ein eigenständiges Designer-Team zuständig. Wie sich ein kleines Restaurant so etwas leisten kann? Indem es nicht klein ist. Das Sir Helga gehört zu einer Münchner Immobiliengesellschaft, der Savvy Group. Diese bietet Micro Living, Studio-Apartments und vollmöblierte Einzimmerwohnungen in Großstädten an und spricht auf der Website von einer „Neuen Art urbanen Wohnens“. Hier, in der Kreutzigerstraße, ließ die Savvy Group ein modernes Wohn- und Geschäftshaus errichten. Und das Sir Helga ist, wenn man so will, das Wohnzimmer dieses großen Gebäudekomplexes – für Bewohner:innen der möblierten Apartments. Oder eben für Berliner:innen, wie uns, die Lust haben, dem Trubel des Boxis zu entfliehen.

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Einmal Wohlfühlen, bitte!

Bei Sir Helga soll man sich also wohlfühlen. Wie bei seiner Lieblingstante. Daher rührt auch der Name, erklärt uns Restaurantleiter Marc. Helga steht sinnbildlich für die geliebte Tante, die einem immer das Lieblingsessen zubereitet hat. Das „Sir“ wiederum soll sie adeln. Weil die fiktive Helga so hingebungsvoll kocht. Und weil es hier eben doch ein wenig gehobener zugeht.

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Die Karte im Sir Helga Berlin

Das schlägt sich auch in der überschaubaren, aber variationsreichen Karte nieder. Tartar vom Rind, Feldsalat mit Ziegenkäse und Kürbis oder Ceviche findet man da unter den Vorspeisen; Saibling im Pergmanent, Hirschrücken und allerlei vegane Optionen wie Flammkuchen Helga, Nudelrisotto oder eine Oriental Bowl unter den Hauptgängen. Man vollführt kulinarisch also einen Spagat zwischen deutscher und internationaler Küche. Das gilt im Übrigen auch für die Getränke. So gibt es bald schon regionales Bier von der Berliner Berg Brauerei vom Fass. Die Weine stammen wiederum aus Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich – von namhaften Erzeugern.

Auch eine Frühstückskarte gibt’s im Sir Helga Berlin. Hier findet man vor allem Gerichte, die sich aktuell großer Beliebtheit auf internationalen Frühstückstischen erfreuen: Shakshuka beispielsweise, besonders schön anzusehendes, instagrammable Avocadobrot aber auch die Stramme Helga – eine Interpretation des Strammen Max‘: Also Sauerteigebrot, Spiegelei, Räucherlachs, Sprossen. Ein sättigender und herzhafter Start in den Tag.

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Systemgastronomie, ganz ohne Geschmäckle – aber ganz viel Geschmack

Tatsächlich, so verrät es uns Restaurantleiter Marc, ist die Karte im Münchner Sir Helga fast gleich. Nur kleine regionale Anpassungen gibt’s, beispielsweise beim Bier (denn da sind die Bajuwaren ja meist ebenso eigen, wie die Craft-Beer-Hauptstädter:innen). Wenn man es also ganz genau nehmen möchte, dann handelt es sich beim Sir Helga Berlin um die zweite Dependance einer geplanten deutschlandweiten Kette. In Hamburg und Düsseldorf sollen die nächsten Restaurants eröffnen. Eins davon sogar mit 200 Plätzen. Wie dort trotz Größe das Wohnzimmer-Feeling hochgehalten werden soll, ist uns noch ein Rätsel. Das wird das Designer:innen-Team der Savvy Groupo schon richten. Und überhaupt: Wir sind nicht zum Kopfzerbrechen gekommen, sondern zum Essen.

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Eindrucksvoll zeigt uns das Küchenteam im Sir Helga Berlin, gute (gehobene!) Systemgastronomie schmeckt. Das Tartar vom Rind ist fein gewürzt und nicht, verzeihen Sie den Ausdruck, zu schlonzig. Der Feldsalat mit Ziegenkäse und Kürbis üppig und knackig. Überhaupt sind die Portionen hier alles andere als klein. Und auch das passt zum Konzept. Die Lieblingstante würde es ja auch nicht zulassen, dass man hungrig den Tisch verlässt.

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Keine Experimente, aber gutes Handwerk

Wer kritisch sein möchte, der mag sagen: Die Karte im Sir Helga Berlin bietet keine kühnen kulinarischen Variationen, keine Experimente. Die Gerichte sind nicht neu, die Kreationen nicht andersartig. Man geht geschmacklich auf Nummer sicher. Handwerklich aber lässt sich an den Speisen im Sir Helga Berlin nichts aussetzen. Es schmeckt schlichtweg gut. Wie bei Muttern, Verzeihung! Wie bei Tantchen.

Sir Helga ist für alle da

Wer mag, der kann im Sir Helga in Friedrichshain einfach nur auf einen Cappuccino auf dem Sofa Platz nehmen und das schnelle WLAN nutzen – oder auf einen herausragenden Helga Spritz (Birne, Ingwer, Prosecco, Soda) an der Bar Platz nehmen. Hauptsache, man gönnt sich etwas Schönes. Denn das ist das philosophische Credo im Sir Helga: „Nichts bereuen schmeckt am besten“. Da gehen wir mit. Und kommen wieder.

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Auf einen Blick

Sir Helga Berlin-Friedrichshain. Adresse: Kreutzigerstraße 14, 10247 Berlin Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 11:30-00:00 Uhr, Samstag: 9:00-00:00 Uhr, Sonntag: 9:00-18:00 Uhr

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