Yannick Noack Interview

Feine Küche mit Haltung: Yannick Noack im Interview

© Berlin&Cramer

Im GOTTHARDT’S by Yannick Noack in Koblenz verbindet der Küchenchef seinen kreativen Anspruch mit handwerklicher Präzision – und einem klaren Ziel: Kulinarik soll berühren, überraschen und in Erinnerung bleiben. Im Interview mit THE FREQUENT TRAVELLER spricht Yannick Noack über seine Definition moderner Küche, den Einfluss der Region zwischen Rhein und Mosel und warum ein freier Kopf die wichtigste Zutat für Inspiration ist.

Yannick, Ihre Küche im GOTTHARDT’S by Yannick Noack wird oft als moderne Interpretation klassischer Aromen beschrieben – wie definieren Sie persönlich „moderne Küche“?

Für mich bedeutet moderne Aromatik Klarheit, Tiefe und Balance. Moderne Küche ist für mich die Verbindung aus handwerklicher Präzision, kreativem Geist und einem tiefen Respekt vor den Produkten. Dabei lasse ich mich von klassischen Aromen und traditionellen Techniken inspirieren, interpretiere sie jedoch neu – mit leichten Zubereitungen, harmonischen Kontrasten und überraschenden Texturen. So entsteht eine Aromensprache, die vertraut wirkt und dennoch neue Perspektiven eröffnet: klar in der Aussage, vielschichtig im Verlauf und stets im Gleichgewicht.

Sie führen nicht nur ein Restaurant, sondern prägen auch eine Marke mit Ihrem Namen. Wie viel Yannick Noack steckt in jedem Gericht, das das GOTTHARDT’S by Yannick Noack verlässt?

Zu 100 %. Jedes Gericht, das mein Team und ich kreieren, trägt zu 100 % die Handschrift des GOTTHARDT’S by Yannick Noack.

Jedes Gericht ist Teil eines stimmigen Gesamtkonzepts. Und genau darin liegt mein Anspruch: Der Gast soll sich erinnern – an eine Textur, an einen Geschmack, an ein Gefühl, das ihn für einen Augenblick aus der Zeit holt. Wir wollen Erlebnisse schaffen, keine Abfolgen von Tellern.

Welche kulinarischen Erlebnisse – auf Reisen oder im Alltag – haben Ihre Handschrift als Koch am stärksten geprägt?

Ich hatte das große Glück, in vielen tollen Restaurants mit großen Küchenchef:innen arbeiten zu dürfen. Jeder von ihnen prägte mich ein Stück weit. Glücklicherweise durfte ich sehr früh Verantwortung übernehmen und mich kreativ ausleben. Dadurch konnte ich in den letzten Jahren eine eigene Handschrift entwickeln.

Das GOTTHARDT’S by Yannick Noack liegt in Koblenz, einer Stadt zwischen Rhein und Mosel. Wie fließt die Region in Ihre Menüs ein?

Unsere Lage in Koblenz, direkt an der Mosel, ist ein täglicher Quell der Inspiration. Koblenz hat etwas Besonderes – es vereint das Flair einer traditionsreichen Stadt mit der Leichtigkeit und Schönheit zweier Flüsse.

Das FÄHRHAUS Koblenz ist dabei weit mehr als nur ein Hotel, in dem sich unser Restaurant GOTTHARDT’S by Yannick Noack befindet – es ist ein architektonisches Statement mit Seele. Wie ein modernes Schiff liegt es am Moselufer, lichtdurchflutet und klar strukturiert. Die offene, stilvolle Atmosphäre unseres Hauses passt perfekt zu meiner kulinarischen Handschrift: präzise, aber einladend – elegant, aber nahbar.

Unsere 37 Zimmer und 10 Suiten mit direktem Moselblick lassen unsere Gäste Koblenz und die Natur hautnah erleben. Ich sehe die Region aber nicht nur als Lage zwischen Rhein und Mosel – Regionalität bedeutet für mich, mit z. B. deutschen Produzent:innen und ihren Top-Produkten arbeiten zu dürfen. Wir haben mit dem Gemüsehandel Abels einen wunderbaren Lieferanten, der uns täglich mit bestem Gemüse und regionalen Kräutern beliefert.

In der gehobenen Gastronomie geht es nicht nur um Geschmack, sondern auch um Inszenierung. Welche Rolle spielt Ästhetik auf dem Teller für Sie?

Aus meiner Sicht stehen der Geschmack und die Produktqualität über allem – dies hat für uns oberste Priorität. Erst wenn wir damit zufrieden sind, geht es für uns um die passende Ästhetik: Anrichteweise, Formen und Farben.

Wie bleiben Sie als Küchenchef kreativ? Gibt es Rituale, Reisen oder Inspirationsquellen, die Sie regelmäßig nutzen?

Um kreativ zu bleiben, ist in meinen Augen ein freier Kopf das A und O. Ich versuche, mir neben der Arbeit Zeit zu nehmen, um sportlich aktiv zu sein – um dadurch einen freien Kopf und Geist behalten zu können.

Yannick Noack Gotthards Interview

Viele Ihrer Gerichte scheinen mit der Idee von Kontrasten zu spielen – süß und salzig, roh und gegart. Was fasziniert Sie an solchen Gegensätzen?

Mir ist es wichtig, dass der Gast keine Langeweile auf dem Teller hat. Die einzelnen Komponenten unserer Gerichte müssen einzeln gut schmecken, aber gemeinsam funktionieren. Um einen Spannungsbogen im Gericht zu halten, ist es aus meiner Sicht wichtig, mit Texturen, Temperaturen und verschiedenen Geschmäckern zu arbeiten.

Wie sieht ein idealer Arbeitstag für Sie aus – zwischen Produktrecherche, Teamführung und Herd?

Mein idealer Arbeitstag beginnt gemeinsam mit meinem Team und einer kurzen morgendlichen Absprache zu den Reservierungen, Besonderheiten und der erwarteten Gästeanzahl am Abend. Im Anschluss starten wir mit den Vorbereitungen in der Küche. Gegen Mittag stößt unser Serviceteam dazu, und wir besprechen gemeinsam die Abläufe für den Abendservice.

Da unser Beruf in hohem Maße von Organisation und reibungslosen Abläufen lebt, ist eine klare und wertschätzende Kommunikation im gesamten Team für mich essenziell. Nur so können wir sicherstellen, dass jeder Handgriff sitzt und alles perfekt ineinandergreift.

Gegen 19:00 Uhr beginnt der Abendservice – die spannendste und intensivste Phase des Tages. In den folgenden drei bis fünf Stunden dürfen wir unsere Gäste kulinarisch verwöhnen und ihnen besondere Momente bereiten. Sobald der letzte Gast das Restaurant verlassen hat, räumen wir gemeinsam auf, reinigen Küche und Gastraum und lassen den Abend noch einmal Revue passieren.

Yannick noack Interview

Was möchten Sie Ihren Gästen mit einem Besuch im GOTTHARDT’S by Yannick Noack mitgeben – jenseits eines guten Essens?

Unser Ansatz im GOTTHARDT’S by Yannick Noack ist ganz klar: Der Gast soll sich bei uns wie zu Hause fühlen. Und zu Hause isst man, was einem schmeckt. Wir geben unseren Gästen die Freiheit, aus elf sorgfältig entwickelten Gerichten ihr ganz persönliches Menü zusammenzustellen – sei es in einem Fünf- bis Acht-Gänge-Menü oder auch mit zwei oder drei Gerichten à la carte.

Außerdem ist auch unser Chef’s Table ein Ort kulinarischer Intimität. Die Gäste sitzen direkt an der Küche, erleben jeden Handgriff, jede Geste, jede Entscheidung live mit. Diese Nähe schafft Transparenz, Vertrauen und eine besondere Verbindung. Es ist keine Show, sondern ehrliches Handwerk in seiner reinsten Form. Die Gäste sehen nicht nur, was geschieht – sie spüren es. Der Chef’s Table ist mehr als ein Blickfang in unserer offen gestalteten Küche: Er ist ein spannender Erlebnisbereich.

Yannick noack Interview

Zum Schluss eine kulinarische Zukunftsfrage: Wohin entwickelt sich die Spitzengastronomie in den nächsten fünf Jahren – und welche Rolle möchten Sie dabei spielen?

Aus meiner Sicht ist es elementar, dass die Spitzengastronomie auch in den kommenden Jahren Bestand hat.

Dass sie sich weiterentwickelt und sich nicht an altertümlichen Etiketten festhält. Fine Dining muss sich hin zu mehr Offenheit, Flexibilität und einem persönlicheren Bezug zum Gast entwickeln. Unser Ansatz im GOTTHARDT’S by Yannick Noack ist ganz klar: Der Gast soll sich bei uns wie zu Hause fühlen und steht im Mittelpunkt.

Wir möchten mit dem GOTTHARDT’S by Yannick Noack ein Ort sein – im Hier und Jetzt und in der Zukunft –, an dem Gäste sich wohlfühlen, Spaß haben und sich auf höchstem Niveau kulinarisch verwöhnen lassen können.


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