© Nady El-Tounsy
Zwischen tief eingeschnittenen Schluchten, hellen Kalkfelsen und rauschenden Wildflüssen zeigt die Outdoor Region Imst, wie nah Abenteuer und Achtsamkeit beieinanderliegen. Unsere Autorin ist in die Tiroler Bergwelt zurückgekehrt und berichtet von ihren persönlichen Erfahrungen zwischen Naturgenuss, Herausforderung und Respekt vor dem alpinen Gelände. Ob beim Wandern, Klettern, Canyoning oder Radfahren: Wer die Berge intensiv erleben möchte, braucht neben Entdeckergeist auch eine realistische Einschätzung der eigenen Grenzen.

Es war nicht mein erster Besuch in der Outdoor Region Imst, und es wird gewiss nicht mein letzter gewesen sein. Erstaunlicherweise vergesse ich zwischen zwei Reisen zuverlässig, wie mühelos die Berge mein sorgfältig gepflegtes Selbstbewusstsein zurechtstutzen. So beginne ich auch diese Wanderung mit dem festen Glauben, gut vorbereitet zu sein, bis die Natur Wind, Sonne, Kälte und Hitze in rascher Abfolge auftreten lässt, als wolle sie alle Jahreszeiten noch vor der Mittagspause erledigen. Und dann ist da die Höhe, die mir neben den Schweißperlen der Anstrengung einige auf die Stirn treibt, deren Ursprung eindeutig Angst ist. Solche Momente verunsichern mich, doch sie lehren mich auch, genauer hinzusehen, Grenzen anzuerkennen und nicht jeden Schritt kontrollieren zu wollen. Von jedem Wanderurlaub kehre ich deshalb ein wenig stärker und der Natur verbundener in die Stadt zurück – wo ich all das bis zur nächsten Tour offenbar wieder sehr erfolgreich vergesse. Bei meiner Rückkehr nach Imst wurde mein Gedächtnis allerdings rasch aufgefrischt. Dieses Mal lernte ich, dass alpine Souveränität weniger mit Gipfelfotos als mit Vorbereitung, Aufmerksamkeit und der Kunst des rechtzeitigen Umkehrens zu tun hat.

Warum die Outdoor Region Imst so stark anzieht
Imst liegt im Tiroler Oberland, umgeben von den Lechtaler Alpen, dem Mieminger Gebirge und den Ötztaler Alpen. Die Landschaft wirkt wie ein kompaktes Best-of der Alpen: tiefe Schluchten, helle Kalkfelsen, bewaldete Hänge, aussichtsreiche Hochflächen und rauschende Wildflüsse. Dazu kommen Dörfer, in denen noch Landwirtschaft betrieben wird und der Gasthof nicht als alpine Kulisse, sondern als sozialer Mittelpunkt dient.


Wer gern aktiv reist, muss sich hier nicht für eine einzige Disziplin entscheiden. Am Vormittag kann durch eine Klamm gewandert, am Nachmittag geklettert und am Abend in einem Gasthaus Tiroler Küche probiert werden. Familien finden kurze Wege und gut erreichbare Ziele. Genusswanderer wählen Almen und Panoramarouten. Erfahrene Bergsportler steigen zu anspruchsvollen Touren auf. Rennradfahrer und Mountainbiker starten direkt im Tal: Die einen folgen dem Inn oder nehmen die kurvenreichen Passstraßen ins Visier, die anderen wechseln schon nach wenigen Kilometern auf Forstwege und hinauf zu aussichtsreichen Almen.
Imst empfiehlt sich besonders für Reisende, die Individualität schätzen, aber auf eine gute Infrastruktur nicht verzichten möchten. Auch der Komfort kommt nicht zu kurz: Nach einem langen Tag warten gepflegte Hotels, Saunen, regionale Menüs und Gastgeber, die den Zustand eines Weges meist besser einschätzen können als jede App.
Sicherheit am Berg: Das Foto zeigt nie die ganze Tour
Soziale Medien haben in den vergangenen Jahren die Lust auf Outdoor-Abenteuer verstärkt. Spektakuläre Gipfelbilder, Kletterrouten und Tourenvideos erreichen heute auch Menschen, die bislang wenig Erfahrung im alpinen Gelände gesammelt haben. Dass dadurch mehr Freizeitsportler die Berge entdecken, ist zunächst erfreulich. Gleichzeitig wächst jedoch die Gefahr, Anforderungen zu unterschätzen: Ein Foto zeigt weder den langen Zustieg noch ausgesetzte Passagen, Wetterumschwünge oder die Kräfte, die für den Rückweg nötig sind. Mit der steigenden Zahl der Bergbesucher haben daher auch Unfälle und Einsätze der Bergrettung zugenommen.

Viele alpine Zwischenfälle beginnen nicht dramatisch, sondern beiläufig. Der Start erfolgt zu spät, eine angekündigte Gewitterfront wird schöngeredet oder im Rucksack fehlen Wasser, warme Kleidung und eine Stirnlampe. Mancher Weg wird gewählt, weil das Gipfelfoto beeindruckt – nicht, weil die Route zu den eigenen Fähigkeiten passt.


Touren sollten deshalb nach Kondition, Erfahrung, Wetter und verfügbarem Tageslicht ausgewählt werden. Die Schwierigkeitsgrade der Wanderwege geben einen ersten Hinweis darauf, was unterwegs verlangt wird. Wer nur gelegentlich wandert, ist auf einfachen, blau markierten Wegen meist besser aufgehoben. Rote Bergwege verlangen bereits Trittsicherheit und solide Kondition, schwarze Wege zusätzlich alpine Erfahrung, Schwindelfreiheit und genügend Kraftreserven.
Sicher unterwegs: Der Check vor jeder Tour
- Aktueller Wetterbericht und Gewitterrisiko
- Zustand und Schwierigkeit des Weges
- Gehzeit einschließlich Pausen und Reserve
- Kondition und Erfahrung aller Beteiligten
- Feste Schuhe mit griffiger Sohle
- Regen- und Wärmeschutz, auch an heißen Tagen
- Wasser, energiereicher Proviant und Sonnenschutz
- Geladenes Mobiltelefon und möglichst eine Powerbank
- Offline-Karte oder gedruckte Wanderkarte
- Notrufnummern und geplante Umkehrzeit
In Österreich ist die Bergrettung unter 140, der europäische Notruf unter 112 erreichbar. Empfang darf jedoch nicht vorausgesetzt werden. Deshalb sollte in der Unterkunft oder bei Angehörigen hinterlassen werden, welche Route geplant ist.
Erst ins Tourismusbüro, dann den auf den Berg

Wer die Region noch nicht kennt oder erste Erfahrungen in den Bergen sammelt, sollte sich einer geführten Wanderung anschließen. In Imst ist das besonders unkompliziert. Mit der Imst Card werden Touren angeboten, die von der Rosengartenschlucht über Hütten und Bergseen bis zur Sonnenaufgangswanderung reichen – begleitet von erfahrenen Guides, die nicht nur den Weg, sondern auch die Geschichten und stillen Winkel der Region kennen. Überhaupt lohnt sich zu Beginn jedes Bergurlaubs ein Besuch im Tourismusbüro: Dort weiß man, welche Wege aktuell begehbar sind, wo das Wetter heikel werden könnte und welche Tour zur eigenen Kondition passt. Oft erfährt man dabei auch, auf welcher kaum bekannten Alm der Kaiserschmarrn besonders gut schmeckt oder welcher Weg am Morgen noch fast menschenleer ist.
Wandern in Imst: Durch die Rosengartenschlucht ins alpine Gelände
Die Rosengartenschlucht gehört zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen der Region. Vom Stadtgebiet führt der Weg hinein in eine Welt aus Fels, Farnen und schäumendem Wasser. Auf engem Raum wird sichtbar, welche Kraft der Schinderbach über Jahrtausende entwickelt hat. Die Schlucht ist rund eineinhalb Kilometer lang und überwindet etwa zweihundertfünfzig Höhenmeter. Je nach Tempo und Anschlussroute lässt sie sich als kurze Tour oder als Auftakt für einen längeren Wandertag erleben.

Der Weg ist stellenweise schmal, feucht und rutschig. Gute Schuhe sind daher unverzichtbar. Kinder sollten in unmittelbarer Nähe bleiben. Nach Starkregen wird besonders vorsichtig gegangen; bei Sperren gibt es keine Diskussion. Wer früh startet, erlebt die Schlucht ruhiger, hört das Wasser deutlicher und kann das wechselnde Licht auf dem Fels beobachten.


Oberhalb lockt Hoch-Imst. Dort öffnet sich die Landschaft, und die Dramatik der Klamm weicht weiten Hängen und Bergblicken. Für Familien bieten sich überschaubare Wanderungen und Erlebnisangebote an. Wer mehr Kondition besitzt, plant längere Routen in die umliegende Bergwelt.
Wer weniger frequentierte Wege sucht, wird bei Imsterberg fündig: Der Venetalm-Rundwanderweg verbindet Wald, Almgelände und weite Blicke über das Inntal. Auch rund um Tarrenz und Nassereith werden Wege gefunden, auf denen nach wenigen Minuten deutlich weniger Betrieb herrscht als an den bekannten Aussichtspunkten. Gerade dort lohnt das Gespräch mit Gastgebern oder dem örtlichen Tourismusbüro. Schneereste, Muren oder Forstarbeiten können eine Route verändern, obwohl sie online noch als offen erscheint.
Respektvoll unterwegs auf Almen und Weiden

Schafe und Kühe gehören in den Tiroler Bergen vielerorts zum vertrauten Bild. Dennoch sind sie keine touristische Kulisse, sondern Nutztiere mit eigenen Instinkten und einem natürlichen Schutzverhalten. Wandernde sollten ausreichend Abstand halten, ruhig an den Tieren vorbeigehen und sie weder füttern noch für ein Foto bedrängen. Besondere Vorsicht gilt bei Mutterkühen mit Kälbern. Sie können Hunde als Bedrohung wahrnehmen. Deshalb gehören Hunde auf der Alm an die kurze Leine. Zeigt ein Rind jedoch deutliches Angriffsverhalten, sollte der Hund losgelassen werden, damit er ausweichen kann und der Mensch nicht zwischen Tier und Hund gerät. Auch Weidegatter sollten stets so hinterlassen werden, wie man sie vorgefunden hat. Wer aufmerksam bleibt und den Tieren Raum gibt, trägt dazu bei, dass Almwirtschaft und Wandertourismus gut nebeneinander bestehen können.
Canyoning in Imst: Abenteuer braucht professionelle Begleitung
Canyoning stand schon lange auf meiner Bucket-Liste. In Imst sollte dieser Wunsch endlich wahr werden. Das Abenteuer begann allerdings nicht erst in der Schlucht, sondern bereits beim Anziehen des Neoprenanzugs. Sich in das enge Material hineinzuzwängen, war gewöhnungsbedürftig. Schon beim ersten Kontakt mit dem kalten Wasser verstand ich jedoch, weshalb die zusätzliche Haut unverzichtbar war.

Unser Canyoning-Guide Manuel erwies sich als eine Mischung aus Superheld und strengem Motivator. Er erklärte jedes Manöver präzise, behielt die Gruppe aufmerksam im Blick und schaffte es, uns auch vor anspruchsvolleren Passagen das nötige Vertrauen zu vermitteln. Sicherheit hatte dabei immer Vorrang, ohne dass der Spaß zu kurz kam. Seit dieser Erfahrung im Canyon wünsche ich mir bisweilen, Manuel würde mich auch durch meinen Alltag begleiten.


Beim Canyoning wird die Landschaft nicht nur betrachtet, sondern körperlich erfahren. Das Wasser drückte gegen meine Beine, die Felswände stiegen steil neben mir auf, und jeder Schritt verlangte Konzentration. Mit Helm und Gurt rutschten wir über glatte Steine, seilten uns ab und sprangen dort in klare Becken, wo es die Bedingungen erlaubten.
Gerade weil sich dieses Erlebnis so unmittelbar anfühlt, gehört es in die Hände geprüfter Guides. Wasserstände können sich verändern, und ein harmlos wirkendes Becken kann Strömungen oder verdeckte Hindernisse bergen. Sprünge sollten niemals nach Videos oder Zurufen nachgeahmt werden. Gute Anbieter prüfen Wetter, Ausrüstung und Route, erklären jede Passage und bieten eine Alternative an, wenn jemand nicht springen möchte.


In der Region gibt es Touren für Einsteiger ebenso wie anspruchsvollere Varianten für erfahrene Teilnehmer. Vor der Buchung sollten Schwimmkenntnisse, Höhenangst, Verletzungen und die eigene Kondition offen angesprochen werden. Eine hochwertige Ausrüstung, kleine Gruppen und verständliche Sicherheitsanweisungen sind wichtiger als der niedrigste Preis.
Familien, Paare und sportliche Individualisten
Imst funktioniert für erstaunlich unterschiedliche Reisestile. Familien profitieren von kurzen Distanzen, Erlebniswegen, Badeseen und Angeboten, bei denen Kinder spielerisch an die Berge herangeführt werden. Ein Höhepunkt ist der Alpine Coaster in Hoch-Imst, der Tempo bietet, ohne dass dafür alpine Erfahrung nötig wäre. Sicherheitsregeln, Mindestgrößen und Wetterhinweise gelten selbstverständlich auch hier.

Paare können aktive Tage mit komfortablen Abenden verbinden: morgens eine Schluchtwanderung, mittags eine Alm, am Nachmittag Wellness. Individualreisende schätzen die vielen Möglichkeiten, spontan zwischen Wandern, Radfahren und Kultur zu wechseln. Sportbegeisterte finden genug Gelände für mehrere intensive Tage, ohne täglich die Unterkunft wechseln zu müssen.
Wer Ruhe sucht, sollte außerhalb der Ferien reisen oder früh aufbrechen. Im späten Frühjahr rauschen die Bäche kräftig, doch in höheren Lagen kann noch Schnee liegen. Der Herbst bringt klares Licht und stabile Sicht, zugleich werden die Tage kürzer. Der Sommer bietet lange Tourentage, aber auch Gewitter. Jede Jahreszeit verlangt eine andere Planung.
Die beste Tour ist die, von der alle gut zurückkehren
Die Berge rund um Imst müssen nicht bezwungen werden. Sie dürfen erlebt werden: mit nassen Schuhen in der Rosengartenschlucht, mit pochendem Herzen am Felsen, mit Fahrtwind auf dem Rad und mit einer dampfenden Schüssel Knödelsuppe am Abend.


Besonders ihre Zugänglichkeit macht die Outdoorregion Imst so attraktiv. Natur, Sport, Kultur und Komfort liegen nah beieinander. Doch Nähe bedeutet nicht gleichermaßen Harmlosigkeit. Wetter, Wasser und die Berge folgen keinen Reiseplänen. Wer vorbereitet startet, seine Grenzen anerkennt und im Zweifel umkehrt, erlebt nicht weniger. Meist werden werden die Erlebnisse sogar intensiver wahrgenommen: das Plätschern des Baches, der Geruch des nassen Waldes, das Licht über dem Inntal und jene stille Zufriedenheit, die sich nicht posten lässt.

Für diesen Beitrag erfolgte eine Einladung durch BISS PR & Communications GmbH & Co KG und Imst Tourismus – herzlichen Dank für die Unterstützung und die Ermöglichung dieser Recherchereise. Alle Fotos dieses Beitrags stammen von dem Fotografen Nady El-Tounsy. Herzlichen Dank für die eindrucksvollen Aufnahmen!