Nach einer umfassenden Renovierung positioniert sich das Parkhotel Adler im 575. Jahr seines Bestehens künftig als Boutique-Resort-Hotel. Lifestyle und Design treffen auf Tradition und Gemütlichkeit – sowie ein zeitgenössisches Genusskonzept. Unser Auto war vor Ort.
Katja Newman ist eine Frau der Tat, die genau weiß, was sie will. Unterkriegen lassen ist ihre Sache nicht – schon gar nicht von Corona. „Das Hotel wird auf den Kopf gestellt, Verstaubtes fliegt raus“, lautete ihr Motto just zu der Zeit, als sich andere Hotelbetreiber sorgten, wie es weitergeht. Schon als Kind hat die 54-Jährige jede Ferien bei ihren Großeltern im Parkhotel Adler verbracht. Zur Jahrtausendwende übernahm sie in der 16. Generation die alleinige Geschäftsleitung – mit 33 Jahren. Ihr 20-jähriges Jubiläum als Hotelchefin fiel mitten in den Lockdown.
„Jetzt erst recht“, dachte sich Newman – und setzt einen Meilenstein für die Zukunft als modernes Boutique-Resort-Hotel. „Für diesen Verschönerungsprozess kam die erste Corona-Phase eigentlich ganz gelegen“, blickt die scheinbar immer gut aufgelegte Hotelchefin zurück. Ihre Prämisse: Die Balance von Tradition im denkmalgeschützten Schwarzwaldhaus von 1639 und Moderne. Design trifft auf Gemütlichkeit. „Wir haben mächtig investiert und dem Adler eine richtige Frischzellenkur verpasst – aber es hat sich gelohnt“, sagt die Gastgeberin, die nie die Bodenhaftung verlor. „Das elegante Farbkonzept in Gold und hellen Tönen bringt den gewissen Glamourfaktor. Ich liebe ja ein bisschen Blingbling.“
Illustrer Gast im Parkhotel Adler: Lenny Kravitz
Vier Millionen Euro investierte die Betreiberfamilie im vergangenen Jahr in eine Komplett-Renovierung. Zehn neue Zimmer und Suiten, teils mit freistehender goldener Badewanne, Ledertapeten und Swarovski-Griffen an den Schranktüren, ergänzen das bisherige Angebot auf 64. Auch die neuen Wohneinheiten tragen in guter Tradition die Namen von Prominenten. Die Lieblingssuite von Katja Newman trägt die Nummer 44 und ist benannt nach Lenny Kravitz, der 2018 im Hotel zu Gast war. Neu ist auch die Lobby mit integrierter Bar und einem Wintergarten mit Parkblick. Das Restaurant „Adler Stuben“ wiederum wurde um den Bereich „Bergkristall“ erweitert. Ein weiterer Bestandteil der umfassenden Renovierungsphase war auch die Sanierung des in die Jahre gekommenen Haupthaus-Daches.
Ein zentrales Element des neuen Konzepts ist die Integration der Genusspension in den Übernachtungspreis. Enthalten sind nun sämtliche Mahlzeiten: vom Frühstück über das Lunch-Angebot am Snack-Buffet und die nachtägliche Tea Time bis zu Viergang-Dinner in den „Adler Stuben“. Die Tea Time mit Live-Klaviermusik belebt die Hotellobby und Bar am Nachmittag. Neben der namensgebenden Auswahl an Ronnefeldt-Tees und diversen Kaffee-Varianten reicht das freundliche Serviceteam eine Etagere mit allerlei süßen Preziosen.
Anlaufpunkt am Abend sind die „Adler Stuben“, die sich mit ihrer historischen Decken- und Wandverkleidung aus Holz im modernen Landhaus-Chic präsentieren. Auf den Tischen liegen Leinenläufer statt weißer Stofftischdecken, Parkettboden, auf den Stühlen sorgen Felle und Hirschkissen für Gemütlichkeit.
Gäste in den „Adler Stuben“ haben die Wahl zwischen drei täglich wechselnden viergängigen Menüs mit den Schwerpunkten „Badisch regional“, „Vegetarisch“, und „Fleisch & Fisch“. Die Käsevariation zum Dessert darf sich jeder nach eigenem Gusto in der kleinen Käsehütte zusammenstellen. Externe Gäste haben die Wahl aus einer separaten À la Carte-Speisekarte.
Bernhard König: Küchendirektor und Gewürzsommelier
„Ohne Tamtam, aber mit hohem Anspruch kombiniert und mit viel Liebe zum Detail auf den Teller gebracht.“ So bringt Küchendirektor Bernhard König seine der Schwarzwälder Tradition verpflichte Philosophie auf den Punkt. Der 48-Jährige startete 2008 als Sous-Chef im Parkhotel. 2011 übernahm er die Regie als Küchenchef und 2018 als Küchendirektor die Gesamtleitung der Gastronomie. Zuvor kochte er u.a. auf der MS Europa, im Park Hotel Vitznau am Vierwaldstätter See und bei Sternekoch Jörg Sackmann in Baiersbronn.
Sein raffiniertes Aromenspiel kommt nicht von ungefähr: König ist Gewürz-Sommelier. Drei Viertel der Lebensmittel, die in seiner Küche landen, bezieht König aus der Region Südschwarzwald, allen voran vom Kaiserstuhl, aus dem Markgräfler Land und der Gemüseinsel Reichenau. Exemplarisch dafür steht sein Rostbraten von der Schwarzwälder Färse, deren Fleisch er zwischen vier und sechs Wochen im Kühlhaus abhängen lässt, bis es reif und zart ist. Das Ergebnis ist ein Rostbraten auf Referenz-Niveau.
Es gibt aber auch Ausnahmen, auf die nicht nur internationale Gäste nicht verzichten wollen. Zum Beispiel das absolut empfehlenswerte australische Rinderfilet von Jack‘s Creek. Der Steak-Produzent steht an der Spitze der australischen Wagyu-Produktion und erhielt 2015 und 2016 zweimal in Folge den Titel „World’s Best Steak Producer“ sowie 2019 die Auszeichnungen „World’s Best Fillet Steak“ und „World’s Best Strip Loin Steak“. Zubereitet von Bernhard König mit Frühlingsgemüse und Selleriepüree wird es zur bleibenden Erinnerung. Dass der Küchenkünstler auch exotische Stilistiken beherrscht, zeigt sein Tom Kha Gai mit mariniertem Hühnchen, bei dem man sich in Thailand wähnt, wenn auch mit geringerer Schärfe. Auf der Weinkarte stammt fast die Hälfte der Positionen von regionalen Winzern.
Parkhotel Adler: Hirschgehege ist um die Ecke
Ein Stück Schwarzwald wartet auch außerhalb des Parkhotels. Im weitläufigen Privatpark mit seinem Hirschgehege ergänzen ein kleiner Wald und der idyllische Adlersee das 70.000 Quadratmeter große Areal. Ein besonderes Schmankerl für Golf-Aficionados. Die Greenfee für den acht Autominuten vom Hotel entfernten 18-Loch-Platz des Golfclubs Hochschwarzwald ist ebenfalls Teil des neuen Genusskonzeptes. „Jetzt ist das Hotel so, wie es mir gefällt“, lautet das Fazit von Adler-Chefin Katja Newman nach dem Umbau. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Fotos: Parkhotel Adler