Reiserecht

Reiserecht kompakt: Welche Rechte haben Urlauber?

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Die Deutschen lieben es zu reisen. So unternahm mehr als die Hälfte der Bundesbürger im Jahr 2017 einen Fernurlaub mit einer Dauer von mindestens fünf Tagen. Doch leider geht dabei nicht immer alles einwandfrei vonstatten. Flugverspätungen, Baulärm im Hotel oder auch insolvente Reiseveranstalter sorgen immer wieder für Probleme. Welche Rechte die Verbraucher in solchen Fällen besitzen, lesen Sie im Folgenden.

Was umfasst das Reiserecht?

In Deutschland existiert kein einheitliches Gesetz, welches die Reiserechte der Urlauber regelt. Vielmehr handelt es sich bei den jeweiligen Angelegenheiten um Teilgebiete des Verbraucherrechts. Viele nationale Vorschriften hierzu ergeben sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Darin sind zum Beispiel Vorgaben zum Umgang mit Lärmbelästigungen und weiteren Mängeln im Urlaub zu finden.

Es existieren aber auch europäische und international übergreifende Vorgaben. So wurde beispielsweise am 11. Februar 2004 die Verordnung (EG) Nr. 261/2004 vom Europäischen Parlament beschlossen. Darin sind die Fluggastrechte, welche innerhalb der Europäischen Union gelten, für Ausgleichszahlungen und mögliche Schadensersatzforderungen im Falle von großen Flugverspätungen oder -annullierungen geregelt.

Zuletzt wurde außerdem die Pauschalreise-Richtlinie (EU) 2015/2302 im Juli 2018 umgesetzt, wodurch sich die rechtliche Beurteilung dem Umstand, dass Verbraucher immer häufiger einzelne Reiseleistungen in einer Buchung kombinieren, anpasst.

Betroffenenrechte bei Airline-Streiks

Jedes Jahr scheint mindestens eine Fluggesellschaft zu streiken – und das natürlich meist in der Urlaubszeit, sodass besonders viele Reisende von den Einschränkungen betroffen sind. Zurzeit finden beispielsweise Streiks bei der Airline Ryanair statt. Viele Passagiere sind in solchen Fällen verunsichert, von welchen Rechten sie bei einem Flugausfall Gebrauch machen können.

Die hier greifenden Vorgaben ergeben sich aus der bereits erwähnten EU-Richtlinie 261/2004. Danach besteht zum Beispiel bei Flügen mit einer Strecke von bis zu 1.500 Kilometern und einer zweistündigen Verspätung ein Anspruch auf Getränke, Essen sowie – sollte hierdurch ein Anschlussflug verpasst werden – eine Übernachtung im Hotel. Erst wenn die Wartezeit fünf Stunden überschreitet, haben die Passagiere das Recht, vom Beförderungsvertrag zurückzutreten und den Flugpreis erstattet zu bekommen.

Derlei Entschädigungsleistungen sind übrigens verschuldensunabhängig. Das bedeutet, dass die Airline für die jeweiligen Kosten aufkommen muss – egal, ob die Verspätung aufgrund eines Sturms oder eines Streiks der Flugbegleiter zustande gekommen ist. Obwohl die Gesetzeslage vorsieht, dass die jeweilige Betreuung durch die Airline kostenlos zu erfolgen hat, müssen sich die Fluggäste häufig selbst um das Beschaffen der Verpflegung oder eines Hotelzimmers bemühen. Hierbei sollten unbedingt jegliche Quittungen aufbewahrt werden, damit die Kosten im Anschluss der Fluggesellschaft in Rechnung gestellt werden können.

Reiserecht gilt auch für Kreuzfahrtschiffe

Eine Studie des Deutschen Reiseverbands (DRV) zeigt, dass Kreuzfahrten beliebter sind denn je. So hat sich die Zahl der Kreuzfahrtgäste in Deutschland zwischen den Jahren 2007 und 2017 verdreifacht. Da es sich hierbei in der Regel um eine Pauschalreise handelt, liegt den Passagierrechten die neue Pauschalreise-Richtlinie (EU) 2015/2302 zugrunde. Auch Vorgaben aus dem BGB – zum Beispiel zur Gewährleistung der vereinbarten Reiseleistungen – muss der jeweilige Veranstalter berücksichtigen.

Zusätzlich sind bei einer Kreuzfahrt die EU-Fahrgastrechte im See- und Binnenschiffsverkehr zu beachten, sobald die Ein- und Ausschiffungshafen im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates der Europäischen Union (EU) liegen. Danach besitzen die Fahrgäste beispielsweise den Anspruch auf eine alternative Beförderung oder die Erstattung des Kaufpreises, wenn die Abfahrt annulliert wurde oder sich um mehr als 90 Minuten verzögert. Auch bei einer verspäteten Ankunft am Ende der Reise können Entschädigungszahlungen verlangt werden. Deren Höhe richtet sich nach der planmäßigen Fahrtdauer sowie der Dauer der Verspätung und liegt in der Regel zwischen 25 und 50 Prozent des Kaufpreises.

Mehr zu den jeweiligen reiserechtlichen Ansprüchen, zum Beispiel bei Reisemängeln, Hotelüberbuchungen, falschen Hotelbeschreibungen und vielem mehr, können Betroffene auf dem kostenfreien Ratgeberportal des Berufsverbands der Rechtsjournalisten e.V. unter www.anwalt.org/reiserecht nachlesen.


Über die Autorin: Laura Gosemann studierte Germanistik und Linguistik an der Universität Potsdam. Derzeit ist sie redaktionell für verschiedene Verbände tätig, etwa für den Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V.. In ihren Beiträgen behandelt sie vor Themen zum Datenschutz, Urheber-, Familien- und Reiserecht.


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