Alexander Koenig

Neue Meilenvergabe nach Umsätzen bei Miles & More: Was zu beachten ist

Meilen sammeln ist Alexander Koenigs Passion, auf seinen Meilenkonten bei unterschiedlichen Airlines schlummern mehr als 3,6 Millionen Meilen – darunter auch viele Lufthansa Miles & More Meilen. Die von ihm vor 15 Jahren gegründete Vielfliegerberatung First Class & More hilft ihren Kunden tagtäglich, die Meilenkonten weiter mit Meilen zu füllen und diese dann optimal einzusetzen. The Frequent Traveller Magazin sprach mit dem „Meilenkönig“ über die jüngst verkündeten Änderungen bei Lufthansa Miles & More.

Für Buchungen ab dem 12. März 2018 stellt Lufthansa Miles & More sein System zur Berechnung der Prämienmeilengutschriften um und koppelt es an den Flugpreis. Wie funktioniert das genau?

Es werden in der Zukunft 4 Prämienmeilen je 1 Euro Ticketausgaben gutgeschrieben. Das gilt bei allen über die Lufthansa Group ausgestellten Tickets, das sind primär Lufthansa, Swiss, Austrian, Air Dolomiti, Croatia Airlines, Adria Airways, LOT Polish Airlines, Brussels Airlines und Eurowings. Für Partnerairlines insbesondere in der Star Alliance bleibt alles beim alten, wenn die Tickets nicht über die Lufthansa Group ausgestellt wurden. D.h. dort werden die Meilen in der Regel als Produkt aus Flugdistanz und buchungsklassenabhängigem Multiplikator berechnet.

Und welcher Ticketpreis ist im neuen System zugrunde zu legen?

Es ist immer die Base Fare, also der Basispreis, plus die YQ Surcharge, das ist der von der Airline festgelegte Ticket-Aufpreis. Früher redete man von einem Kerosinzuschlag. Damit hat das mittlerweile nichts mehr zu tun. Es ist einfach ein für die Airline flexibles, attraktives Instrument, um den Kunden zusätzlich zur Kasse zu bitten. Steuern und Gebühren entfallen also bei der Berechnung. Allerdings machen die bei günstigen Economy Class Flügen meist einen Großteil des Flugpreises aus.

Warum macht Lufthansa das?

Ein umsatzbasiertes System ist die gängigste Variante bei Kundenbindungsprogrammen insbesondere bei Hotelprogrammen. Auch payback funktioniert so. Und das Ziel von Lufthansa ist es, Miles & More als DAS Kundenbindungsprogramm in allen Situationen des täglichen Lebens zu positionieren. Zudem belohnt man bei einem umsatzbasierten Verfahren die Kunden, die am meisten Geld bei einem lassen.

Gelten die Regelungen nur für die Lufthansa Group?

Sie gelten in erster Linie für die Lufthansa Group, jedoch auch für Partnerairlines, wenn Tickets über eine Lufthansa Group Airline ausgestellt wurden, z. B. wenn man ein United Ticket über die Lufthansa Webseite bucht.

Und was passiert, wenn man umgekehrt einen Lufthansa Flug z. B. über die United Webseite bucht?

Dann gilt die neue Regelung nicht, sondern alles folgt dem alten Schema. Das ist übrigens ein kleiner Trick, wenn die Meilengutschrift im neuen System deutlich niedriger sein sollte. Einfach über Partnerairline Webseiten den Flug buchen. Dann sichert man sich die höhere Meilengutschrift zu meist ähnlichen Preisen.

Ändert sich auch etwas am sogenannten Executive Bonus, dem 25% Meilenbonus von Statuskunden?

Die neue Regelung für Statuskunden ist, dass sie 6 statt 4 Prämienmeilen je 1 Euro Ticketkosten erhalten. Das gilt für alle Airlines der Lufthansa Group mit Ausnahme Eurowings und Brussels Airlines, wo es 5 Prämienmeilen sind. Es gilt auch für die Transatlantikpartner United und Air Canada.

D.h. der Meilenbonus hat sich verdoppelt?

6 statt 4 Prämienmeilen sieht zunächst nach einer 50% Steigerung aus. Doch die 25% waren nur bei fixen Meilengutschriften wirkliche 25%. Ansonsten wurden sie bei Interkontinentalflügen auf den für eine Buchungsklasse gültigen Meilenfaktor aufgeschlagen. Dieser startet bei den günstigsten Economy Class Buchungsklassen bei 25%, so dass bisher mit Executive Bonus 50% erzielt wurden. Das war eine 100% Steigerung. Aber für teurere Tickets ist es in der Tat besser geworden.

Wie wirken sich die Änderungen ganz konkret auf Meilengutschriften aus?

Nehmen wir einmal an, Sie möchten einen Wochenendausflug von Frankfurt nach München machen. In der günstigen Buchungsklasse K zahlen Sie dafür 125 Euro. Die Base Fare beträgt nur 4 Euro und der YQ Aufschlag 10 Euro. D.h. nach dem neuen Schema gäbe es für den Flug 56 Meilen Return ohne Status und 84 Meilen mit Status. Im alten System waren es 250 Meilen ohne Status und 312 Meilen mit Status. Der Abschlag beträgt also zwischen 73 und 78%.

Das klingt erheblich, aber sind die tatsächlichen Auswirkungen wirklich so massiv?

Nein, das ist eher emotional. Denn die entgangenen rund 200 Meilen bei dem München Flug hätten beim normalen Meileneinsatz, den die meisten Kunden praktizieren, nämlich für Economy Class Flüge oder Prämien aus dem Lufthansa Worldshop, einen Gegenwert von 0,4 bis 1,2 Euro. Darüber muss man sich also nicht aufregen.

Wie könnte man die Meilen denn besser einsetzen?

Der Königsweg für den Meileneinsatz ist immer die Nutzung für Business und First Class Flüge. Unsere große Vielfliegerprogrammstudie hat gezeigt, dass der Gegenwert je 1.000 eingesetzte Meilen bei Lufthansa Miles & More in der Business Class zwischen 18 und 42 Euro liegt, in der First Class zwischen 25 und 48 Euro. Insgesamt also bis zu 15 mal mehr als beim ineffizienten Einsatz.

Gibt es weitere Flüge, die im neuen System weniger Meilen bringen?

Natürlich. Wenn Sie z. B. im Sommer 2018 von Frankfurt nach Singapur in Premium Economy mit Lufthansa fliegen, kostet das rund 1.300 Euro. Base Fare und Aufschlag liegen bei etwa 1.170 Euro. D.h. die Gutschrift beträgt 4.680 Meilen ohne Status und 7.020 Meilen mit Status. Im alten System sind es 12.777 Meilen ohne Status und 15.971 Meilen mit Status. Also mit Status fast 9.000 Meilen weniger.

Welche Kundengruppen verlieren also durch das neue System?

Tendenziell Kunden, die lange im Voraus zu günstigen Preisen buchen oder Sonderangebote nutzen. Zudem Kunden mit vielen Umsteigeverbindungen. Bei den Serviceklassen insbesondere Economy Class bei den günstigen Tickets und vor allem die Premium Economy Class.

Gibt es auch Gewinner der neuen Meilenvergabe?

Geschäftsreisende, die viel kurzfristig reisen und von ihrer Firma mit teuren Economy Class Tickets oder Business Class Flügen herumgeschickt werden, können sich über höhere Gutschriften freuen. Insbesondere auch teure kurzfristig gebuchte Inlands- oder Europaflüge in der Economy Class werden deutlich besser prämiert. Zudem werden Direktflüge gegenüber Umsteigeverbindungen oft durch höhere Meilen belohnt.

Was bedeuten diese Änderungen für Statuskunden? Wird es in der Zukunft schwieriger, einen Lufthansa Status zu erlangen?

Die Änderungen haben nichts mit dem Thema Status zu tun. Die Statusmeilenberechnung erfolgt nach wie vor nach dem alten Schema, d.h. es wird nicht leichter oder schwerer, einen Lufthansa Status zu erhalten.

Ist diese Trennung von Prämienmeilen und Statusmeilen nicht verwirrend?

Das ist sie auf jeden Fall, da das Miles & More System bereits vorher mit der Unterscheidung Prämienmeilen, Statusmeilen, HON Circle Meilen, Select Meilen nicht gerade einfach war. Allerdings praktizieren es auch viele andere Airlines wie z B. British Airways, American Airlines, Qatar Airways etc. so, dass Prämien- und Statusmeilen separat behandelt werden.

Und haben andere Airlines auch umsatzbasierte Meilenvergütungssysteme?

Ja, in den letzten Jahren haben die US-Airlines solche Systeme eingeführt. Ab April wird auch Air France mit dem Flying Blue Programm auf ein solches neues System umsteigen.

Gibt es weitere Umstellungen bei Miles & More?

Es gibt eine sehr positive Neuerung. Bis vor einigen Monaten war es nur am Telefon möglich, Prämienflüge mit Miles & More Prämienmeilen bei den Star Alliance Partnern zu buchen. Jetzt sind die Partner auch online in die Prämiensuche integriert. Dadurch ergeben sich viel mehr Einlösemöglichkeiten für Meilen, über die sich die wenigsten Kunden vorher im Klaren waren.


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