Kaffeebohnen an einer Rispe reifen unterschiedlich schnell

Auf den Spuren der perfekten Bohne

© Nespresso (all rights for all use except advertising)

Jeder Deutsche verbraucht über sieben Kilogramm Kaffee im Jahr. Das sind vierzig Prozent mehr als im EU-Durchschnitt. Zwischen Espressi im Office, Coffees-to-Go beim Filialisten und Cold Brews in der lokalen Rösterei, feiert sogar Filterkaffee eine stille Renaissance. Was alle Geschmackstrends eint, ist ein gesteigerter Qualitätsanspruch auf Seiten der Kaffeetrinker. Buzzwords wie Nachhaltigkeit, Fair Trade oder Ökosiegel machen das Kännchen zum ideologischen Statement. Doch was steckt hinter diesen großen Begrifflichkeiten? Eine Reise zu Kaffeebauern nach Costa Rica und ein Blick hinter die Kulissen von Nespresso haben uns der Antwort ein Stück nähergebracht.

Kaffeeanbau erinnert in einiger Hinsicht an Weinproduktion: Terroir, Klima und Anbaumethoden entscheiden über das geschmackliche Potenzial der Frucht. Veredelung und abschließendes Blending (Mischen diverser Sorten) runden das aromatische Bouquet in unseren Tassen ab. Oder um es mit den Worten von Edgar Fernandez zu sagen: „Kaffee ist kein Industrieprodukt, es ist Leidenschaft.“ Gemeinsam mit seiner Familie bewirtschaftet der Costa Ricaner eine 4,2 Hektargroße Kaffeeplantage in der Provinz Piedades Sur, etwa anderthalb Stunden nordwestlich der Hauptstadt San José. Seine Anbaufläche lässt ihn fast als Großgrundbesitzer durchgehen, bedenkt man, dass die meisten Plantagen im mittelamerikanischen Staat kaum über anderthalb Hektar hinausreichen.

Edgar Fernandez in seinem idyllischen Obstgarten

Edgar Fernandez in seinem idyllischen Obstgarten

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Auf 1.280 Metern Höhenlage pflanzt Fernandez ausschließlich Arabica-Bohnen und erntet pro Saison etwa drei Tonnen Kaffeekirschen, die er an den örtlichen Großhändler „Volcafe“ weiterverkauft. Dank der besonderen Qualität seiner Früchte erhält Edgar Fernandez Boni in Höhe von 30 Prozent des jeweiligen Listenpreises. „Nachhaltiger Anbau lag mir schon immer am Herzen. Seit meinem Beitritt zum AAA-Programm [im Jahre 2010] hat sich nicht nur die Qualität meiner Kirschen verbessert, sondern auch der Ertrag steigt von Jahr zu Jahr“, berichtet der großgewachsene Vorzeigebauer bei einem Rundgang durch seinen Obstgarten begeistert.

Das AAA-Programm von Nespresso & Rain Forest Alliance

Das AAA-Programm (oder kurz „Triple A“) wurde 2003 von Nespresso und Rain Forest Alliance ins Leben gerufen, um den Anbau hochwertiger Kaffeebohnen zu fördern. Das Programm fußt auf drei Säulen: Qualität, Nachhaltigkeit und Produktivität. In enger Zusammenarbeit mit Agraringenieuren erarbeiten Bauern langfristige Pläne, wie sie die Güte ihrer Produkte verbessern können und ihren Ertrag steigern. So verpflichten sie sich weitgehend auf Pestizide zu verzichten und ihre Pflanzen nach agrarwissenschaftlichen Standards zu kultivieren. Ein weiterer Schritt ist der Verzicht auf Monokulturen zur Vorbeugung von Erosion sowie die Einhaltung gütlicher Sozialstandards für Mitarbeiter.

Eine Vorzeigefarm nach Muster des AAA-Programms

Eine Vorzeigefarm nach Muster des AAA-Programms

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Eine Win-Win Situation für alle Beteiligten?

Die Vorteile für Bauern liegen auf der Hand: Schulungen vermitteln fundiertes betriebs- und agrarwirtschaftliches Wissen, das die Bauern befähigt ihre Plantagen erfolgreich zu führen. Zinsgünstige Darlehen erleichtern zudem die Anschaffung von Investitionsgütern, wie Autos oder Erntewerkzeug. Ausschlaggebend für die meisten der 3.547 Vertragsbauern in Costa Rica ist jedoch die monetäre Incentivierung. Sie erhalten einen Bonus in Höhe von 30% auf Kaffeekirschen in der gewünschten Premium-Qualität und können ihre Erträge dank nachhaltiger Wirtschaft kontinuierlich steigern. Zusätzlich können sie ein Zertifikat der Rainforest Alliance erwerben, was ihnen Preisvorteile in weiteren Qualitätssegmenten beschert.

Bei so viel Wohltätigkeit möchte man meinen der schweizer Konzern habe sich als gemeinnütziger Verein neuerfunden. Tatsächlich besteht der größte Benefit für Nespresso in der Stabilisierung der eigenen Supply-Chain. Zugleich ist es ein schlaues Invest in die Zukunft, da eine Expansion im Luxussegment ohne entsprechende Rohstoffe unmöglich ist. Die langfristige Bindung der Bauern an die Marke erfolgt durch Zusammenarbeit vor Ort. Eine Verkaufspflicht an Nespresso besteht allerdings nicht. De facto zahlt das Unternehmen den besten Preis, womit sich das Handling abtrünniger Bauern quasi erübrigt. Zumindest in diesem Punkt gilt in Lausanne: Tue Gutes, bleib bescheiden.

Der Eingang zur Kaffeeplantage von Edgar Fernandez

Der Eingang zur Kaffeeplantage von Edgar Fernandez

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Triple A in der Praxis

Wir sind mittlerweile auf der Plantage von Edgar Fernandez angekommen. Die Sonne hüllt die Berglandschaft in ein weiches Licht und die Kaffeepflanzen reihen sich wie auf einer Perlenschnur aneinander. Ein zweites Mal werden wir an den Weinanbau erinnert. Stolz führt uns Don Edgar zur Wasserquelle seiner Plantage, die er regelmäßig von Verunreinigungen befreit. Die umliegenden Tropenpflanzen sind ein natürliches Habitat für Vögel – die geheimen Plantagenhelfer, wie er sie spitzbübisch nennt. Hochgewachsene Bäume zwischen den Pflanzenzeilen (auch „Coffeemamas“ genannt) spenden den brusthohen Kaffeepflanzen Schatten und federn Temperaturschwankungen ab. Gedüngt wird mit natürlichem Kompost, die einzigen Chemikalien lagern sicher verstaut in einem abgeschlossenen Schuppen auf einer Anhöhe. Edgar Fernandez schätzt die Schweizer Ordnung auf seinem Land. Auf die Frage, ob er denn regelmäßig Nespresso trinken würde, antwortet er ganz diplomatisch: „Wissen Sie, ich habe ja meinen eigenen vor der Haustür.“

Bohnen_Nespresso

Die Guten ins Töpfchen: Von der Kirsche bis zur gerösteten Bohne

© Nespresso (all rights for all use exc. adv.)

Von Costa Rica in die Kaffee-Boutique

Und tatsächlich hätte es Edgar Fernandez nicht leicht reinen costa-ricanischen Kaffee bei Nespresso zu bekommen. Grund hierfür ist das Blending, bei dem Kaffeesorten aus verschiedenen Ländern miteinander vermengt werden, um spezifische Aromen herauszukitzeln. So erinnern die Arabica-Bohnen aus Costa Rica vorrangig an Malz, geröstetes Getreide und Kakao. Wer zumindest eine Prise Costa Rica probieren will, greift am besten zu den Grand Crus (schon wieder vinophile Sprachanleihen) Arpeggio, Dharkan, Cosi oder Livanto. Mit ein wenig Glück ist dort auch eine Bohne von unserem sympathischen Gastgeber enthalten.


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